Als Herr Lauterbach mal einen lichten Moment hatte…

Wer kennt ihn nicht? Karl Lauterbach, Dauergast in Talk Shows, Gesundheitsminister und offenbar mit der Devise unterwegs „lieber Kauz sein als gar keine Individualität haben”*. Nun hat er sich in Sachen Krieg in der Ukraine deutlich und gegen das Lari-Fari vieler seiner Parteigenossinnen und -genossen und erst recht gegen Richard David Precht (vielleicht doch besser Umschulung zum Model, Herr Precht?) geäußert:

„Mal ehrlich: Was sollen denn jetzt Kniefälle vor Putin bringen?“, fragte Lauterbach daraufhin auf Twitter. „Wir sind im Krieg mit Putin und nicht seine Psychotherapeuten. Es muss weiter konsequent der Sieg in Form der Befreiung der Ukraine verfolgt werden. Ob das Putins Psyche verkraftet, ist egal.“**

Diese Stellungnahme ist deutlich und verdient wahrgenommen zu werden. Putin ist tatsächlich längst in einem hybriden Krieg, der sich keineswegs auf ein Schlachtfeld beschränkt, gegen den Westen begriffen. Dazu zählen u.a. die Angriffe auf die Ostsee-Pipelines, seine Erpressungspolitik mit Gas und Öl gegenüber einzelnen EU-Staaten und seine Medienpolitik via RT und anderen Medien. Welche Handlungsanweisung Deutschland gegenüber Russland daraus ableitet, muss abgewogen werden.

So zu tun, als müsse man nur Kinder, jetzt ist aber Schluss, jeder geht mal in eine Ecke rufen und zur Bekräftigung mit dem Fuß aufstampfen, ist jedenfalls weit mehr als naiv. Karl Lauterbach hat in seiner Partei eine wahrnehmbare Position bezogen.

Nachtrag 5.10.: Schon wieder zappenduster bei Herrn Lauterbach: Er hat widerrufen. Merke: Zu viel Wahrheit hält die SPD offenbar nicht aus.

*von ihm wird berichtet, dass er an Büffets auch schon mal die Gäste belehrt, was sie gerade im Moment alles Gesundheitsschädliches zu sich nehmen
** Quelle: Welt – Online Portal

Internationale der Guten

Zu den 20 Filmen, die ich für eine jede Bucket List empfehle, zählt für mich der Film „Die Kommissarin” von Aleksandr Askoldov. Im Zentrum des Films steht eine Russin, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in den Wirren des Bürgerkriegs zwischen Weißen und Roten im Dienst der Roten Armee steht. Da sie schwanger ist und für das Kämpfen nicht mehr taugt, findet sie in größter Bedrängnis beim Beschuss durch feindliche Truppen Unterschlupf bei einer jüdischen Familie. In dieser Situtation – sehr beeindruckend für mich –, in der das Überleben auf Messers Schneide steht, beginnen die Juden zu tanzen. In diesem Zusammenhang fällt auch (zumindest erinnere ich das so) der Satz von der „Internationale der Guten”. Er drückt eine Hoffnung aus auf ein Leben und Überleben jenseits von Ideologien, auf das sich die einfachen Leute rasch einigen können.

Was lässt sich daraus lernen? Erstens: Auch wenn das einem in der augenblicklichen Situation schwer fällt zu glauben, es gibt und gab sie die Russinnen und Russen, die Humanität und Kultur über Krieg und Dominanzbestreben stellten und stellen. Konsequenterweise war der 1967 gedrehte Film in der Sowjetunion verboten und konnte erst in der Zeit Gorbatschovs sein Publikum erreichen.

Zweitens: In einem Moment, wo dieser Irre Putin (noch sein Wort von „Unsere Werte sind Nächstenliebe, Humanität und Mitleid.” im Ohr? Was für eine Entwertung dieser hohen Begriffe!*) das Geschmeiß dieser Welt (die Tschetchenen Kadyrows, die Mörder der Gruppe Wagner, gedungene Syrer, Droneninstrukteure aus dem Mullah-Land und andere) hinter sich versammelt, geht es um eine glaubhafte und wirksame Unterstützung der Ukraine. Sie kann die Gegenwehr gegen diesen immer noch überlegenen Gegner nicht alleine stemmen.

Meine Anerkennung haben die Leute, die sich nach dem Vorbild der Internationalen Brigaden der dreißiger Jahre in den Dienst der Ukraine stellen und mit der Waffe kämpfen. Für einen demnächst Siebenundsechzigjährigen keine Option. Es geht aber auch anders. Auf dieser Web-Seite, der das obige Bild entnommen ist, lässt sich Geld für die ukrainische Armee spenden. Schön im emphatischen Sinne von schön ist das nicht, aber in meinen Augen nötig. Klicken, Kartendaten und Betrag in die Maske eintragen, der Betrag wird anschließend in die Landeswährung umgerechnet und ok klicken. Eine Option.

Und nein: Ich beanspruche nicht, damit umstandslos bei den Guten gelandet zu sein. Ohnehin ist bei Leuten, die das für sich in Anspruch nehmen, fast immer viel moralisches Tremolo im Spiel. Nicht meine Welt.

Selbstverständlich lassen sich auch auf ausschließlich friedliche Weise die Menschen in der Ukraine unterstützen. Einige Hilfsangebote dafür sind:

Ukraine – Hilfe in der Krise

Hilfsmöglichkeiten für die Ukraine (Jesuit Refugee Service)

Ärzte ohne Grenzen

*Quelle: Meduza

1. Fight Club Köln?

Nizza war ein Höhepunkt, steht aber nicht alleine: Bestimmte Fangruppen, die der FC (am Rand?) duldet, hauen gern einfach mal drauf. Ob Leute schwer verletzt werden, ob gehöriger Sachschaden entsteht – für diese Männerbünde wirklich völlig sekundär.

Es gäbe verschiedene Arten darauf zu reagieren: Der FC richtet eine Faustkampfabteilung ein oder – besser – gegenüber Fangruppen, die identifizierbar sind und die nur die Mollie machen wollen, werden 5- oder 10jährige Ausschlüsse von FC-Spielen ausgesprochen. Der FC als Hausherr sollte dazu rechtlich in der Lage sein. Wer Identitätsdiebstahl begeht oder dazu verhilft, wird gleichermaßen ausgeschlossen.

OK. Ich gestehe, ich bin mit dieser Form von Männerkultur nicht sehr vertraut. Wäre das nicht ein probater Weg? Gewalt solcher Art darf jedenfalls nicht stillschweigend tolleriert werden.

Berghof 1956 – die Mutter aller „lost places”

Hitler, der Postkartenzeichner und Soziopath, hatte eine Eigenschaft, die ich mit ihm teile: Er hatte einen Hang zur Idylle und mochte die Alpen. Sein Berghof, in den er seine Entourage, aber auch einen Chamberlain einlud, war gleichzeitig eine gigantische Maschine zur Vermeidung von Realität. Hier konnte er die Luftangriffe auf deutsche Städte und das sich abzeichnende düstere Ende konsequent ausblenden. Er blieb dieser Idylle bis zum Juli 1944 treu.

Was mochte mein Schwiegervater, der den Krieg als Flakhelfer und Leichenbeseitiger nur erlitten hatte, empfunden haben, als er den Berghof 1956 (?) besuchte und sich mit Selbstauslöser vor dem berühmten Panoramafenster ablichten ließ? [Für eine vergrößerte Ansicht auf das Bild klicken]

„Ain’t Gonna Study War No More”

Ja, das wäre schön, Krieg nicht mehr studieren zu müssen. So heißt es im Spiritual „Down by the riverside”. Und wir sollten uns die Vorstellung nicht austreiben lassen, dass es tatsächlich in der Zukunft zu fundamental friedlicheren Zeiten kommen könnte. Dazu bräuchte es allerdings eine Welt, in der die Putins, Xi Jinpings, Kim Jong-uns, und wie die Schurken dieser Welt sonst noch heißen, weniger Unheil anrichten könnten.

Solange leider auch die Beschäftigung mit dem Krieg in der Ukraine zum Tagesgeschäft gehört, empfehle ich als verlässliche Quelle das amerikanische „Institute for the Study of War”. Hier werden alle zugänglichen Quellen verlässlich ausgewertet und an jedem Tag für den Vortag eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse auf Englisch geboten.

Ich weiß nicht, ob Frau Lambrecht neben ihren Terminen im Nagelstudio dazu kommt, hier mal Informationen aufzunehmen. Es könnte ihren Horizont erweitern…

„Soviel Anfang war nie…” // Fotografien Peter Aachen

Den Titel „Soviel Anfang war nie…” habe ich mir von einer Veröffentlichung des SZ-Verlags geborgt, die das neu entstehende kulturelle und geistige Leben in München in den Nachkriegsjahren feiert. Dieser Titel passt großartig für beide meiner Schwiegereltern, die nach vielen Belastungen im Krieg die Unbeschwertheit der Nachkriegsjahre gut genießen konnten.
Die Fotografien entstammen dem Fotoarchiv meines 2014 verstorbenen Schwiegervaters, für die ich noch eine angemessene Form der Veröffentlichung suche. Jede Anregung dazu ist sehr willkommen…

Heute sichte ich, morgen scan ich, übermorgen…

Ich musste sie mit Zähnen und Klauen verteidigen, diese 20 Bände Brockhaus. Heute zeigt sich, wie sinnvoll nicht nur für den Wissenserwerb solch ein Schwergewicht ist. Im Rahmen des von mir „Peter-Projekt“ genannten Vorhabens habe ich die 6x6cm-Schwarz-Weiß-Negative meines Schwiegervaters fast vollständig eingescannt. Die meisten dieser Bilder erleben gerade die Uraufführung: zum Teil über 60 Jahre fristeten sie ein Scheinleben im Pappkarton.

Mit Hilfe meines improvisierten Leuchttisches kann ich nun – vor dem Scan-Vorgang – besser entscheiden, welche Negative noch einmal mit größerer Sorgfalt oder überhaupt zum ersten Mal eingescannt werden sollen. Ich bin stolz auf meine Erfindung… Bleibt die Frage, wo die zum Teil sehr schönen und für die 50er und z.T. auch 60er Jahre aussagekräftigen Fotos veröffentlicht werden könnten. (s. „Soviel Anfang war nie…”)

Der Windbeutel Boris Johnson ist geplatzt – endgültig

Jede und jeder, die oder der auf eine vernunft- und wertebasierte Politik setzt, wird sich freuen, dass der Windbeutel der britischen Politik aka „BoJo“ endgültig geplatzt ist. Hoffentlich kann er in der Vakanz, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger bestimmt wird, keinen großen Schaden mehr anrichten.

Ein Land mit einer langen parlamentarischen und demokratischen Tradition hat Besseres verdient…

Musik satt: Romanischer Sommer – Bilder

Musik satt: Romanischer Sommer und Hafensounds

Köln kann einem mit seiner Selbstverliebtheit gehörig auf den Senkel gehen. Mir geht es jedenfalls so. Von meinen Kindern wird mir dann gerne vorgehalten, ich wäre nicht in Köln geboren. (Trifft auf sie aber genauso zu.) Tage, in denen ich mich mit meiner Heimatstadt dann doch restlos einverstanden fühle, sind die Tage des Romanischen Sommers: Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe werden in den romanischen Kirchen Kölns außergewöhnliche Konzerte geboten. Im Schnütgen-Museum, das ich dieses Mal zu zwei Konzerten besucht habe, gefällt mir auch eine Gastfreundschaft unter besonderen Bedingungen: Was für ein Vertrauensbeweis gegenüber dem Publikum, wenn in einem mit unersetzlichen Kunstschätzen gefüllten Museum, der ehemaligen Kirche St. Cäcilien, Musik aufgeführt wird! (Gut, dass ich hier mal keine Museumsaufsicht bin, das triebe mir dann doch Schweißperlen auf die Stirn). Statt lange zu erzählen, daher im nächsten Beitrag einfach ein paar Bilder.

In diesem Jahr gab es zeitlich direkt anschließend das Hafensounds-Festival am Schokoladenmuseum. Ein weiteres Bündel von spannenden Musikbeiträgen aus Köln und Umgebung. Dass eine Kokou Nagaan-Band oder die Tsaziken auf der Bühne stehen, zeigt dann einfach, wie vielgestaltig und multikulturell Köln ist. Unbedingt hingehen. Heute noch Kol Colé mit Gastsängerin Karyna Serdiuk (Kiew) um 17 h und – zum Kehraus – die Hop Stop Banda sehr zu empfehlen. (dazu leider keine Bilder)

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