1. Fight Club Köln?

Nizza war ein Höhepunkt, steht aber nicht alleine: Bestimmte Fangruppen, die der FC (am Rand?) duldet, hauen gern einfach mal drauf. Ob Leute schwer verletzt werden, ob gehöriger Sachschaden entsteht – für diese Männerbünde wirklich völlig sekundär.

Es gäbe verschiedene Arten darauf zu reagieren: Der FC richtet eine Faustkampfabteilung ein oder – besser – gegenüber Fangruppen, die identifizierbar sind und die nur die Mollie machen wollen, werden 5- oder 10jährige Ausschlüsse von FC-Spielen ausgesprochen. Der FC als Hausherr sollte dazu rechtlich in der Lage sein. Wer Identitätsdiebstahl begeht oder dazu verhilft, wird gleichermaßen ausgeschlossen.

OK. Ich gestehe, ich bin mit dieser Form von Männerkultur nicht sehr vertraut. Wäre das nicht ein probater Weg? Gewalt solcher Art darf jedenfalls nicht stillschweigend tolleriert werden.

Berghof 1956 – die Mutter aller „lost places”

Hitler, der Postkartenzeichner und Soziopath, hatte eine Eigenschaft, die ich mit ihm teile: Er hatte einen Hang zur Idylle und mochte die Alpen. Sein Berghof, in den er seine Entourage, aber auch einen Chamberlain einlud, war gleichzeitig eine gigantische Maschine zur Vermeidung von Realität. Hier konnte er die Luftangriffe auf deutsche Städte und das sich abzeichnende düstere Ende konsequent ausblenden. Er blieb dieser Idylle bis zum Juli 1944 treu.

Was mochte mein Schwiegervater, der den Krieg als Flakhelfer und Leichenbeseitiger nur erlitten hatte, empfunden haben, als er den Berghof 1956 (?) besuchte und sich mit Selbstauslöser vor dem berühmten Panoramafenster ablichten ließ? [Für eine vergrößerte Ansicht auf das Bild klicken]

„Soviel Anfang war nie…” // Fotografien Peter Aachen

Den Titel „Soviel Anfang war nie…” habe ich mir von einer Veröffentlichung des SZ-Verlags geborgt, die das neu entstehende kulturelle und geistige Leben in München in den Nachkriegsjahren feiert. Dieser Titel passt großartig für beide meiner Schwiegereltern, die nach vielen Belastungen im Krieg die Unbeschwertheit der Nachkriegsjahre gut genießen konnten.
Die Fotografien entstammen dem Fotoarchiv meines 2014 verstorbenen Schwiegervaters, für die ich noch eine angemessene Form der Veröffentlichung suche. Jede Anregung dazu ist sehr willkommen…

Heute sichte ich, morgen scan ich, übermorgen…

Ich musste sie mit Zähnen und Klauen verteidigen, diese 20 Bände Brockhaus. Heute zeigt sich, wie sinnvoll nicht nur für den Wissenserwerb solch ein Schwergewicht ist. Im Rahmen des von mir „Peter-Projekt“ genannten Vorhabens habe ich die 6x6cm-Schwarz-Weiß-Negative meines Schwiegervaters fast vollständig eingescannt. Die meisten dieser Bilder erleben gerade die Uraufführung: zum Teil über 60 Jahre fristeten sie ein Scheinleben im Pappkarton.

Mit Hilfe meines improvisierten Leuchttisches kann ich nun – vor dem Scan-Vorgang – besser entscheiden, welche Negative noch einmal mit größerer Sorgfalt oder überhaupt zum ersten Mal eingescannt werden sollen. Ich bin stolz auf meine Erfindung… Bleibt die Frage, wo die zum Teil sehr schönen und für die 50er und z.T. auch 60er Jahre aussagekräftigen Fotos veröffentlicht werden könnten. (s. „Soviel Anfang war nie…”)

Musik satt: Romanischer Sommer – Bilder

Musik satt: Romanischer Sommer und Hafensounds

Köln kann einem mit seiner Selbstverliebtheit gehörig auf den Senkel gehen. Mir geht es jedenfalls so. Von meinen Kindern wird mir dann gerne vorgehalten, ich wäre nicht in Köln geboren. (Trifft auf sie aber genauso zu.) Tage, in denen ich mich mit meiner Heimatstadt dann doch restlos einverstanden fühle, sind die Tage des Romanischen Sommers: Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe werden in den romanischen Kirchen Kölns außergewöhnliche Konzerte geboten. Im Schnütgen-Museum, das ich dieses Mal zu zwei Konzerten besucht habe, gefällt mir auch eine Gastfreundschaft unter besonderen Bedingungen: Was für ein Vertrauensbeweis gegenüber dem Publikum, wenn in einem mit unersetzlichen Kunstschätzen gefüllten Museum, der ehemaligen Kirche St. Cäcilien, Musik aufgeführt wird! (Gut, dass ich hier mal keine Museumsaufsicht bin, das triebe mir dann doch Schweißperlen auf die Stirn). Statt lange zu erzählen, daher im nächsten Beitrag einfach ein paar Bilder.

In diesem Jahr gab es zeitlich direkt anschließend das Hafensounds-Festival am Schokoladenmuseum. Ein weiteres Bündel von spannenden Musikbeiträgen aus Köln und Umgebung. Dass eine Kokou Nagaan-Band oder die Tsaziken auf der Bühne stehen, zeigt dann einfach, wie vielgestaltig und multikulturell Köln ist. Unbedingt hingehen. Heute noch Kol Colé mit Gastsängerin Karyna Serdiuk (Kiew) um 17 h und – zum Kehraus – die Hop Stop Banda sehr zu empfehlen. (dazu leider keine Bilder)

Das klerikale Missverständnis

Laut Kölner Stadtanzeiger vom 8.6.22 hat Kardinal Woelki in seiner Pfingstpredigt gefordert, die Kirche zu lieben („Der Kardinal rief dazu auf, die Kirche zu lieben ‚trotz aller menschlichen Schwächen, Fehler und Sünden, mit der wir …ihre Schönheit immer wieder beflecken.’“)

Diese eingeforderte Liebe ist weder biblisch begründbar, noch hat sich die Ekklesiologie* für solch’ eine A-Priori-Liebe der Kirche ausgesprochen. Kirche wird dort nur als Übergangsgröße eingestuft, die bis zur Vollendung des Reiches Gottes ihre Berechtigung hat.

Einmal mehr ist hier das Denken Herrn Woelkis dem Top-Down-Muster und einer bloß noch behaupteten Autorität, die eine bröckelnde Hierarchie schützen soll, verhaftet. Mit solchen Botschaften lässt sich mit Recht niemand mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

Eine biographische Reminiszenz dazu: Meine Mutter nötigte mich, abends meinem Vater einen Gute-Nacht-Kuss zu geben. Da war ich aber bereits elf oder sogar zwölf und die stachelige Wange des Vaters ist mir noch lebhaft in Erinnerung. In dieser Zeit war das zuvor gute Verhältnis zu meinem Vater schon ziemlich kaputt. Weder er noch ich mochten diese Geste. Liebe – weder den Eltern, noch der Kirche gegenüber – kann jemals verordnet werden.

Dass es auch Menschen im Erzbistum in Leitungsfunktion gibt, die aus den Erschütterungen von katholischer Kirche im Rheinland gelernt haben, hat mir ein Gottesdienst am 3.6.2022 mit Weihbischof Puff gezeigt. Er trat bei diesem besonderen Gottesdienst anlässlich der Verleihung der Missio-Urkunden sehr bescheiden auf und sprach von den vielen Fehlern, die die Amtskirche gemacht hat. Der Kölner Stadtanzeiger zitiert ihn zum Pfingstfest in dem gleichen Artikel so: „Die Kirche muss rauskommen aus dem Befehlen wollen und dafür anfangen, zuzuhören.“

*Ekkelesiologie ist die theologische Disziplin, die sich mit dem Selbstverständnis und der biblischen Begründung von Kirche beschäftigt.

Rejoint – The Mystic Journey :: eine Aufführung in der Grabeskirche St. Bartholomäus, Köln

 

If my heart could do my thinking
and my head begin to feel
I would look upon the world anew
and know what’s truly real
Van Morrisson

Da ist zunächst der Ort: St. Bartholomäus ist seit einigen Jahren ein Kolumbarium, das heißt eine Begräbniskirche. In ihren Seitenwände sind schon Hunderte Urnen, jeweils mit Namensschild, eingelassen. Das Zentrum dieser besonderen Kirche ist ein quadratischer Raum, der durch einen Vorhang aus dünnen Metallfäden abgeteilt wird. Dort werden die Begräbnisfeiern abgehalten. Das Raumkonzept und die Gestaltung allgemein haben schon Preise eingeheimst. Kurzum, wir befinden uns auf einem besonderen Platz für diese Performance. Einem Friedhof.

Die Gattung zu bestimmen fällt zugegebenmaßen schwer: Reden wir von einem Theaterstück, einem Mysterienspiel, einer Oper…? Die Produzenten sind da eindeutiger und sprechen von einer Performance. Die Kirchengemeinde in Bickendorf und Ossendorf (BiOs) war übrigens schon immer gut, spektakuläre kulturelle Veranstaltungen im kirchlichen Raum aus der Taufe zu heben.* Auch bei Rejoint – The Mystic Journey war der Aufwand am 14./15.5.22 beträchtlich: zwei Tänzerinnen, Ratio und Mystik darstellend, eine Schauspielerin für die Rolle der Unschuld, ein Schauspieler in der Rolle des Philosophen, dazu ein großer Chor von der Musikhochschule Detmold, der Regisseur und die Tontechnik. Das  Bindeglied zur lokalen Kirche waren die 7 Reisebegleiterinnen und -begleiter aus Köln. Sie sind nicht nur Personen, die Besucherinnen und Besucher an die verschiedenen, kleinen, bestuhlten Flächen in dieser besonderen Umgebung führen. Sie haben auch dramaturgische Funktionen und erinnern in ihren einheitlich weißen Gewändern an den Chor antiker Stücke.

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Bundesolaf oder Bundeskanzler? Perspektiven vor der NRW-Landtagswahl

Quelle: Wikipedia

Herr Scholz ist mit dem flotten Spruch angetreten, wer bei ihm Führung bestelle, bekäme sie auch. Davon kann erst recht nach dem heutigen Tag keine Rede mehr sein. Bedauerlicherweise haben alle Vorschläge, eine irgendwie geartete Impfpflicht einzuführen, keine Mehrheit gefunden. Das fällt deutlich auf Herrn Scholz und seinen Gesundheitsminister zurück. Mir fehlt dazu – ehrlich gesagt – auch ein Stück Leidenschaft in dem, wie Herr Scholz Politik betreibt. Wo er, der immerhin die Richtlinienkompetenz in der deutschen Politik besitzt, in diesen Zeiten besondere Schwerpunkte setzen möchte? Mir ein Rätsel.

Dann ist da noch dieser Krieg in der Ukraine, der uns vermutlich noch auf Wochen begleiten wird. Immerhin hat sich Scholz da mal aus der Deckung getraut und mit seiner Rede vom 27.2. und dem vorgeschlagenen 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr eine deutliche Initiative gezeigt. Was von diesem Sondervermögen übrig bleibt, wenn alle daran Interessierten noch ordentlich Wasser in den Wein gekippt haben, bleibt abzuwarten.

Bleibt die Landtagswahl am 15. Mai in NRW: Ich würde mich freuen, wenn die SPD, die man auch Schröder-Platzeck Partei (dabei sollte man natürlich auch Frau Schwesig, Herrn Weil und Herrn Stegner e tutti quanti nicht vergessen) nennen könnte, wegen ihrer unausgegorenen und überaus zögerlichen Haltung zum russischen Angriff auf die Ukraine einen kleinen Denkzettel bekäme. Herr Wüst hat seine Sache in NRW ganz ordentlich gemacht (er sollte aber Frau Heinen-Esser in die Wüste schicken – siehe Mallorca & Party). Wenn die SPD einen Dämpfer bekäme, würde auch das check and balances zwischen Zentralmacht im Bund und föderaler Landesmacht in den Bundesländern davon profitieren. Für einen säuselnden und säumigen (Impfplicht!) Bundesolaf könnte das als Ansporn dienen, tatsächlich zu einen Bundeskanzler auf der Höhe der Ereignisse zu reifen.

Und dann noch ein Sonderwunsch: Die Clowns von der Linken wären mit 2 % Wählerstimmen doch prächtig bedient. Sie würden dann auch sehen, wie ihre Nibelungentreue zu einem aggressiven Russland gewürdigt wird.

Tipps zu Recherche-Arbeiten bei T4-Ermordeten?

Die Mitteilung an die Mutter des Ermordeten

Ein Verwandter von mir wurde im Februar 1941 in Hadamar im Rahmen der sogenannten T4-Aktion hingerichtet. Er wurde im Jahr 1907 im Westerwald geboren. T4 stand übrigens für die Berliner Tiergartenstraße 4, unter deren Adresse die reichsweit angelegten Tötungsaktionen organisiert wurden.

Das Schema, das in Hadamar verfolgt wurde, sah so aus: Die dorthin Verfrachteten wurden gleich bei ihrer Ankunft untersucht, um die später vorgegebene angebliche Todesursache halbwegs stimmig klingen zu lassen. Anschließend wurden sie in Gaskammern geführt, ermordet und zum Schluss in Krematorien verbrannt. Die Angehörigen erhielten einen nichtssagenden Brief mit einer erfundenen Todesursache.

Glücklicherweise sind auch diese Ermordeten inzwischen als Opfer anerkannt und werden erinnert. Für meinen Verwandten soll in seiner Heimatgemeinde in diesem Sinne ein Stolperstein verlegt werden.

Was mir und uns vor dieser Gedenkaktion noch fehlt sind Hinweise, wie sich der Aufenthalt des Verwandten vor seiner Hinrichtung nachweisen lässt. Er hat zu dieser Zeit in einem Kloster im Westerwald als Gärtner gearbeitet. Möglicherweise lässt sich dieser Raum sogar auf den Umkreis von Montabaur eingrenzen. Vier Klöster in diesem Raum habe ich bereits angeschrieben, ohne bislang aussichtsreiche Informationen erhalten zu haben.

Da ich nicht der Erste bin, der so eine Recherche-Arbeit angeht, hoffe ich von den Erfahrungen anderer profitieren zu können. Meine Fragen dazu:

• Ist es aussichtsreich, irgendwo Meldeunterlagen aus der Zeit von 1921 bis 1941 greifen zu können? Falls ja, wo werden diese vorgehalten?
• Sind Schulabschlüsse und Schulaufenthalte in der Regel erfasst? Ich habe eine Schule aus dem fraglichen Raum angeschrieben, um Vorgängerschulen zu ermitteln. Wo wären dann, wenn die Schule des Verwandten nicht mehr existiert, möglicherweise vorhandene Unterlagen weitergereicht worden?
• Wie weit hat Sozialversicherung auch Leute erfasst, die in einem Kloster gearbeitet haben? Wo sind aus damaliger Zeit vielleicht vorhandene Unterlagen heute zugreifbar?
• Die Nazi-Tötungsmaschinerie ließ es sich nicht nehmen, auch noch über die Ermordeten peinlich genau Buch zu führen. Sind weitere Unterlagen außer diesen Briefen nach vollzogener Ermordung in Hadamar zu erwarten?

Über Hinweise, auch Literaturhinweise, wie sich weitere Informationen beschaffen lassen, würde ich mich sehr freuen. Hierzu ließe sich die Kommentarfunktion meines Blogs benutzen oder die Email-Adresse “hennef_mann(at)gmx.de”.

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