Auch USA sprechen von „Genozid“

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Was Juden der 27. Januar ist, bedeutet der 24. April für Armenier: die Erinnerung an den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts in den Jahren 1915 bis 1916. Diesem fielen zwischen 1,1 bis 1,6 Millionen Armenier zum Opfer. Wer nicht vor Ort erschlagen wurde, starb auf dem Weg in die syrische Wüste oder wurde zwangsassimiliert. Armenier nennen den Vorgang Aghet. Das Ganze geschah im sich auflösenden ottomanischen Reich, der heutigen Türkel.

Wenn dieser Vorgang vom Präsidenten der USA, Joe Biden, als Genozid bewertet wird, wird der versuchten Geschichtsrevision durch die Türkei deutlich widersprochen. Diese weist bis auf den heutigen Tag jegliche Mitverantwortung für dieses Verbrechen zurück.

Holocaust-Gedenktag

Schön ist es nicht, an das heute erinnert werden muss: Am 27.1.1945 erreichten russische Truppen das Vernichtungslager Auschwitz und konnten zumindest einige wenige Jüdinnen und Juden vor der Vernichtung bewahren. Es ist aber konstitutiv für die Bundesrepublik Deutschland, dass dieser beispiellose Genozid nicht relativiert oder sogar als Fliegenschiss in der deutschen Geschichte (Gauland, AfD) verharmlost wird, sondern erinnert wird. Das soll kein weiteres mal geschehen, weder hier noch sonstwo.

Erfreulich, dass auf meiner Straße in Köln-Ehrenfeld heute jemand den Stolperstein poliert hatte und eine Rose und eine Kerze zur Erinnerung gefunden hatte.

Im Bundestag erinnerten eine sehr alte Jüdin und eine sehr junge an dieses Ereignis: Charlotte Knobloch und Marina Weisband. Jüdische Menschen verwenden übrigens eher den Begriff Shoah.

Einmal mehr büßen Armenier ihr Heimatrecht ein

Der Krieg in Bergkarabach ist für’s erste beendet. Ob das der Region auf Dauer Frieden bringt, ist unsicher. Bergkarabach war und ist ein mehrheitlich von ethnischen Armeniern bewohntes Gebiet. (Eine Volkszählung im Jahre 1923 verzeichnete einen Bevölkerungsanteil von Armeniern von 94 %.) In der UdSSR, die sich wenig um lokale Besonderheiten scherte, wurde dieses Gebiet 1923 Aserbaidschan zugeschlagen. Was genau ein Autonomes Gebiet – als solches war Bergkarabach verfassungsrechtlich eingeordnet worden – ausmachen sollte, blieb in den folgenden Jahrzehnten umstritten.

Die Auflösung der Sowjetunion bot nach einem von 1992 bis 1994 dauernden Krieg den Armeniern in Bergkarabach Gelegenheit, sich für unabhängig zu erklären. Allen Armeniern steckt das kollektive Trauma in den Knochen, dass zu Beginn des 1. Weltkriegs auf dem Gebiet der heutigen Türkei und Syriens ein Genozid an 1,1 bis 1,5 Millionen Armeniern verübt wurde. Dass man sich unter diesen Umständen gerne selbst um seine Sicherheit kümmern und sie nicht den Aseris anvertrauen wollte, die mit der Türkei eng verbunden sind, ist nicht verwunderlich. Ohnehin hatte es in den 90er Jahren eine Vielzahl von kleineren Pogromen auf dem Gebiet von Aserbaidschan gegeben, die in der Mehrzahl Armenier als Opfer hatten.

Die Entwicklung seit September 2020 verlief sehr eindeutig: Die militärische Unterstützung durch die von alten Großmachtsideen geleitete Türkei, die Waffenhilfe von Dschihadisten-Söldnern aus Syrien und Libyen und die durch Öleinnahmen finanzierte Militärmacht Aserbaidschans hatten in den letzten Jahren die Gewichte deutlich zu Ungunsten Armeniens und Bergkarabachs verschoben. Der im Spätsommer begonnene offene militärische Schlagabtausch zeigte rasch, dass Bergkarabach kaum zu verteidigen war.

Es darf bezweifelt werden, ob die neuen Bewohner der eroberten Gebiete zumindest die zum Teil 600 und mehr Jahre alten Kirchen unberührt lassen. Auf dem Bild das Dadiwank-Kloster, von dem Christen vor dem Rückzug Abschied nehmen. Ob Russland als maßgebliche Garantiemacht des Waffenstillstands ausnahmsweise mal einen Beitrag für Frieden liefert, bleibt ebenso zweifelhaft.

Infos zum Krieg aus der Liberation (auf Französisch)

Nachtrag 25.11.2020: Das kulturelle Gedächtnis wird nun – wie ich schon befürchtet hatte – vernichtet. Man stelle sich das Geschrei vor, wenn nicht das Kloster Dadiwank, wie im taz-Artikel beschrieben, sondern eine Moschee zerstört würde. taz-Artikel zu den mutwilligen Zerstörungen in Bergkarabach

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