Schwachköpfe aller Länder, vereinigt euch #2

• Hans Modrow, 94, hat eine sehr spezielle Sicht auf den Krieg in der Ukraine. Er sieht es so: „Die Frage, wie weit der Krieg in der Ukraine nun ein Einmarsch russischer Truppen ist oder sich als ein innerer Bürgerkrieg [sic!, meine Hervorhebung] der Kräfte in den neuen Ost-Staaten und faschistischen Elementen im Westen der Ukraine darstellt, steht im Raum.“ Das berichtet der Tagesspiegel. Wenn er schon die Wahrheit dermaßen verfehlt, hoffen wir für ihn, dass er in seiner sklerotischen Umnachtung nachts den Lichtschalter findet, wenn er Pipi muss. Aber halt, der Mann hat noch eine politische Funktion innerhalb seiner Partei Die Linke inne. Er ist immerhin Mitglied im Ältestenrat dieser Partei.

Schön wäre es, wenn die nächste Landtagswahl in NRW und später die in Sachsen diese Partei noch unter die 2 %-Marke befördern würde. Das war der Wert im Saarland am 27.3.22, sie hat sich Nichtbeachtung redlich verdient.

• Nicht ganz dieses Maß an Blödsinn, das zugegeben schwer zu toppen ist, verzapft Herr Richard David Precht zum Thema Ukraine. Der Mann, der so gut dackelartig betroffen blicken kann. Der Ort, wie könnte es anders sein, eine Talkshow mit Herrn Lanz. (Hat Precht kein Zuhause?) Dort meinte er der Ukraine ungefragt empfehlen zu müssen, sie solle es jetzt mal gut sein lassen mit der Verteidigung: Selensky kriegt die Bewertung, er schicke „sein Volk in einen Krieg (…), den es verlieren muss“. Woher bezieht Herr Precht dieses Wissen über den Ausgang dieses Krieges? Vielleicht sollte er mal über die mentale Verwirrung nachdenken, die ein Aufwachsen in einer Familie mit strammer DKP-Ausrichtung nach sich gezogen hat. Ach, Herr Precht, auch hier gilt: si tacuisses philosophus minor mansisses. Wenn du die Klappe gehalten hättest, wärst du zumindest ein kleiner, talkshow-tauglicher Philosoph geblieben.

Schwachköpfe aller Länder, vereinigt euch #1

…so naiv und medioker wie der Text des Appells

DerAppell: Ja, es wäre wünschenswert, wenn Ausgaben nicht für das Militär verwendet werden müssten. Angesichts eines schon seit 29 Tagen anhaltenden Krieges, von den Russen begonnen und unerbittlich fortgeführt, so zu tun, als ließe sich dieser und künftige Konflikte durch Gesundbeten und freiwilligen Verzicht auf Mittel zur Gegenwehr beheben, ist nicht nur naiv, sondern schlichtweg dumm. Nein, ich habe keine Lust demnächst Kyrillisch lernen zu müssen. Nein, ich möchte nicht, dass Putin in Köln-Chorweiler ein paar Russischstämmige findet, denen russische Pässe austeilt und zu deren Schutz dann anschließend nach Deutschland einmarschiert. (Zur Erinnerung: So ist Herr Putin in den „Republikenˮ Luhansk und Donezk vorgegangen.) Damit dies nicht passiert, muss die Bundeswehr wieder in einen Zustand versetzt werden, in dem sie tatsächlich verteidigen kann. Auch wenn ich Herrn Scholz nicht mag, hat er offenbar verstanden, dass an dieser Stelle eine Neuorientierung stattfinden muss. Ich möchte mich auch nicht von den Ypsilantis und Kräften aus dem DKP-Umfeld vereinnahmen lassen: Bei meiner Teilnahme an der großen Anti-Kriegs-Demonstration am Rosenmontag in Köln hatte ich mit deren politischen Positionen wirklich nichts im Sinn.

Schon jetzt übersteigen die »Verteidigungsausgaben«* aller 30 NATO-Staaten die russischen um fast das Zwanzigfache. Die Anschaffung von konventionellen Waffen wie Kampfflugzeugen und bewaffnungsfähigen Drohnen als Abschreckung unter atomaren Militärblöcken ist sinnlos.” (der Appell)

Legen wir also unsere Hände in den Schoß und warten auf besser Wetter, ist so der geheime Subtext. Leider ist eine Verteidigungsfähigkeit, die z.B. die Baltischen Staaten davor bewahren könnte, die nächsten Opfer einer russischen Aggression zu werden, nicht zum Nulltarif zu haben. Die NATO hat sich bisher zurückgehalten und die erbetene Flugverbotszone über der Ukraine nicht realisiert. Prinzipiell ist immer der Angreifer im Vorteil, der Zeit und Ort seiner Aggression festlegen kann. Deswegen käme es einer Selbstaufgabe gleich, wenn die Zahlenspiele der Appell-Leute ernstgenommen würden und man freiwillig einer Verringerung der Militärausgaben zustimmen würde. Putin gibt einen feuchten Dreck auf irgendwelche moralisch verbrämten Appelle. Ein 1:1 der Verteidigungsausgaben käme einer Einladung an Putin gleich, marschier doch bitte ein. Ja, es sind auch bewaffnungsfähige Drohnen nötig: Habt ihr den letzten Waffengang im Konflikt Aserbeidschan – Armenien nicht mitbekommen? Ohne diese Waffengattung hätte Aserbeidschan nicht diese Überlegenheit besessen. Kommt zur Besinnung und schaltet euer Gehirn ein oder sagt ehrlicherweise „Russland ist unser Vorbild”.

Gabriele Krone-Schmalz: Kennen viele, die mit dem Pottschnitt. Hat lange für die ARD aus Moskau berichtet und noch nach der Annexion der Krim das Lied des „ihr dürft den Russen kein Leid zufügen” gesungen. In ihrem Buch Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens charakterisiert sie die Politik Russlands als „weitgehend defensiv“. Darauf muss man erst mal kommen, im Jahr 2015 nach der Okkupation der Krim. Sie ist inzwischen angesichts der jüngsten Ereignisse ein wenig zurückgerudert. Erfreulicherweise legt ihr Verlag ihren Schinken nicht mehr auf und hat die aus dessen Verkauf erzielten Gewinne für ukrainische Hilfsangebote verwendet.

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Putins Sportpalast heißt Luschniki-Stadion

Putin hat am Freitag (18.3.22) einige Tausend Menschen in das Moskauer Luschniki-Stadion bringen lassen. Es gab Meldungen, dass Betriebe zwangsweise Mitglieder für dieses Spektakel abordnen mussten. Andererseits wirken viele der dort versammelten Menschen, als hätten sie sich von dem nationalistischen Spektakel besoffen machen lassen. Der Anlass: Der 8. Jahrestag der gewaltsamen Annektierung der Krim-Halbinsel.

Mich erinnerte diese Inszenierung an Goebbels Sportpalastrede aus dem Jahr 1943, die in seiner rhetorischen Frage gipfelte „Wollt ihr den totalen Krieg?” Vom 18. Februar 1943 bis zum bitteren Kriegsende dauerte es aber immerhin noch 27 Monate, bis wirklich alles in Scherben zerfallen war.

Möge Putin und sein Geschmeiß etwas rascher den Abgang nehmen.

Unabhängige Stimmen aus Russland und der Ukraine hören und wahrnehmen

Dass Russia Today den mit dem russischen Regime konformen Schwachsinn in die Welt hinaus pustet, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Um so wichtiger ist es m.E. unabhängige Stimmen direkt aus Russland und der Ukraine zu hören. Ich fange mal mit dem an, was ich bisher gefunden habe. (Für die russischsprachigen Seiten ist es erforderlich, ein Plugin für den jeweiligen Browser zu installieren, der in die Zielsprache Deutsch übersetzt. Das ging unkompliziert und die Ergebnisse kommen mir treffend vor.)

Zonamedia (in Russisch)

gulagu.net (in Russisch)

Dekoder (in Deutsch)

Doschd (in Russisch)

The Kyiv Independent (auf Englisch)

Novaya Gazeta (in Russisch, mit englischem Newsletter – z.Z. eingestellt)

motolko.help (in Russisch und Englisch, aus Belarus, dokumentiert z.B. auch wie russische Soldaten Beutegut aus der Ukraine nach Hause schicken)

Katapult (Greifswald), in Deutsch, mit Unterstützung ukrainischer Journalistinnen und Journalisten)

Solltet ihr noch andere vertrauenswürdige Nachrichtenportale finden, bin ich für jeden Hinweis dankbar.

 

die nötigen Schritte tun

Vielleicht findet sich ja eine mutige Person im Umfeld von Putin, die zu Verstand gekommen ist. Es würde Tausende von Menschenleben retten, auch russische. …
Давай!

PS: Einen Artikel aus der Süddeutschen von Wladimir Sorokin mit vielen Hintergrundinformationen zum Weltbild Putins und dem Titel Putin ist geliefert möchte ich dringend empfehlen.

Einmal mehr büßen Armenier ihr Heimatrecht ein

Der Krieg in Bergkarabach ist für’s erste beendet. Ob das der Region auf Dauer Frieden bringt, ist unsicher. Bergkarabach war und ist ein mehrheitlich von ethnischen Armeniern bewohntes Gebiet. (Eine Volkszählung im Jahre 1923 verzeichnete einen Bevölkerungsanteil von Armeniern von 94 %.) In der UdSSR, die sich wenig um lokale Besonderheiten scherte, wurde dieses Gebiet 1923 Aserbaidschan zugeschlagen. Was genau ein Autonomes Gebiet – als solches war Bergkarabach verfassungsrechtlich eingeordnet worden – ausmachen sollte, blieb in den folgenden Jahrzehnten umstritten.

Die Auflösung der Sowjetunion bot nach einem von 1992 bis 1994 dauernden Krieg den Armeniern in Bergkarabach Gelegenheit, sich für unabhängig zu erklären. Allen Armeniern steckt das kollektive Trauma in den Knochen, dass zu Beginn des 1. Weltkriegs auf dem Gebiet der heutigen Türkei und Syriens ein Genozid an 1,1 bis 1,5 Millionen Armeniern verübt wurde. Dass man sich unter diesen Umständen gerne selbst um seine Sicherheit kümmern und sie nicht den Aseris anvertrauen wollte, die mit der Türkei eng verbunden sind, ist nicht verwunderlich. Ohnehin hatte es in den 90er Jahren eine Vielzahl von kleineren Pogromen auf dem Gebiet von Aserbaidschan gegeben, die in der Mehrzahl Armenier als Opfer hatten.

Die Entwicklung seit September 2020 verlief sehr eindeutig: Die militärische Unterstützung durch die von alten Großmachtsideen geleitete Türkei, die Waffenhilfe von Dschihadisten-Söldnern aus Syrien und Libyen und die durch Öleinnahmen finanzierte Militärmacht Aserbaidschans hatten in den letzten Jahren die Gewichte deutlich zu Ungunsten Armeniens und Bergkarabachs verschoben. Der im Spätsommer begonnene offene militärische Schlagabtausch zeigte rasch, dass Bergkarabach kaum zu verteidigen war.

Es darf bezweifelt werden, ob die neuen Bewohner der eroberten Gebiete zumindest die zum Teil 600 und mehr Jahre alten Kirchen unberührt lassen. Auf dem Bild das Dadiwank-Kloster, von dem Christen vor dem Rückzug Abschied nehmen. Ob Russland als maßgebliche Garantiemacht des Waffenstillstands ausnahmsweise mal einen Beitrag für Frieden liefert, bleibt ebenso zweifelhaft.

Infos zum Krieg aus der Liberation (auf Französisch)

Nachtrag 25.11.2020: Das kulturelle Gedächtnis wird nun – wie ich schon befürchtet hatte – vernichtet. Man stelle sich das Geschrei vor, wenn nicht das Kloster Dadiwank, wie im taz-Artikel beschrieben, sondern eine Moschee zerstört würde. taz-Artikel zu den mutwilligen Zerstörungen in Bergkarabach

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