«and strike and strike and strike» – geht’s noch?

Die USA funktionieren in vielem anders – mal zu deren Vorteil, mal so, dass Kopfschütteln auf dieser Seite des Atlantiks gar nicht mehr aufhören will. Zur zweiten Sorte gehört definitiv ein Auftritt von TV-Evangelist Paula White aus den letzten Tagen. Was hat diese Person im Hirn, die sich bei einem Fernseh-„Gebet“ so aufführt und dann noch beansprucht, Christin zu sein? Ich kann – auch mit viel Mühe – nicht erkennen, was diese TV-Show mit irgendeinem Element von Christentum zu tun haben soll. Diese Frau ist wie Trump selbst nur noch ungeheuer peinlich.

Hoffen wir, dass wir das nicht mehr lange ertragen müssen. Und beruhigend, dass Joe Biden als katholischer Christ eine andere Sprache spricht.

Narziss und Goldmund – Was Trump nie lernen wird

Am 3.11.2020 wird in den USA gewählt. Auch wenn Trump zur Zeit einiger Wind ins Gesicht bläst, bin ich noch nicht überzeugt, dass wir diese Oberpfeife in diesem Jahr los werden. Hatten die Amerikaner in Irland vor vier Jahren nicht auch erzählt, der wird es nie werden? Und kann er nicht darauf rechnen, dass seine Parteigänger alles Legale und Illegale daran setzen werden, ihn zu behalten? Selbst, wenn dies zu einem Bürgerkrieg führen würde…

Was wir in den letzten 4 Jahren vermisst haben, lässt sich der Rede Barack Obamas anlässlich einer etwas anderen Democratic Convention entnehmen: Ein empathie-begabter Mensch, der ein klares Bewusstsein davon hat, dass ein Präsident nach der Wahl für alle Bürgerinnen und Bürger zuständig ist. Ein Präsident, der lauter gerade, bedeutungsvolle Sätze hintereinander kriegt, dessen Körpersprache das gesprochene Wort wirkungsvoll und authentisch unterstützt.

Treffend bemerkte ein Kommentator auf youtube über den narzisstischen Schmollmund hingegen: Donald Trump hasn’t grown since age 10.

Amerika, du musst es dieses Mal besser hin kriegen. God bless you.

…home of the brave

Es fühlt sich wirklich verquer an: Amerika, das home of the brave (Star Spangled Banner), als das es sich z.B. bei der Befreiung meines Landes von den Nazis erwies, mutet jetzt seiner eigenen Bevölkerung – allen voran den Afro-Amerikanern – Unerhörtes zu. Es scheint fast ein Spiel zu sein, wo die Schmerzgrenze der eigenen Bevölkerung liegt, zu testen, wie brave Frau und Herr Jedermann tatsächlich sind:

Ein völlig unzureichendes Gesundheitssystem, das nur für Leute mit Scheckheft (vielleicht) funktioniert, wird noch auf Wochen ansteigende Krankenzahlen zu verkraften haben, ohne dass dieses den Zahlen auch nur annähernd gewachsen wäre. Särge werden in Massengräbern beigesetzt, im Fly-Over-Land gibt es kaum Bettenkapazitäten etc. pp. Gleichzeitig meint der oberste …Mensch schon, Meinungen positiv weitergeben zu müssen, die die Stellung von einem der wenigen in der Entourage geduldeten Pandemieexperten Fauci untergraben. Kann dieser Knallcharge nicht mal jemand eine Ohrpfeife verpassen? Ich würde diese außergewöhnliche Maßnahme durch die minimale Aussicht, dass er auch nur ein wenig zur Besinnung kommen könnte, gerechtfertigt sehen.

Wir werden stattdessen schon bald sehen, dass Trump die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung wieder einschränken, wenn nicht sogar aufheben wird. Die Wiederwahl muss ja her, Einbrüche in der Ökonomie vertragen diese nicht. Dann wirst du, USA, dich noch ganz anders als home of the brave erweisen müssen. Ein Vorschlag für die Patriotismus-Kommission: Sterne im Star Spangled Banner konsequenterweise pro 10.000 Gestorbenen durch Kreuze ersetzen. In einem von Foxnews sedierten Amerika scheint kein energischer Widerspruch zu erwarten zu sein.

USA – doppelt gestraft

Manchmal weiß man nicht, womit US-Amerika mehr gestraft ist: Ist es Covid-19 oder ist es Trump? Die Unfähigkeit dieses Präsidenten angesichts der medizinischen Katastrophe schlägt sich jedenfalls doppelt negativ nieder. Hier einige Kabinettstücke aus den letzten Wochen:

Ignoranz 
Trump empfiehlt ein ungeeignetes Heilmittel gegen Covid-19, Mann stirbt in Arizona, auch Nigeria betroffen. & Völlige Fehleinschätzung der Lage (“we have it totally under control.”) 

https://edition.cnn.com/2020/03/23/africa/chloroquine-trump-nigeria-intl/index.html
https://theintercept.com/2020/03/24/trump-hyped-chloroquine-cure-covid-19-man-arizona-took-died/
https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2020/03/trump-genius/609142/
Prahlen & Narzissmus 
Trump behauptet, es existierten genug Beatmungsgeräte und diese würden sinnvoll verteilt. 

https://theintercept.com/2020/03/24/donald-trump-says-americas-ventilator-shortage-was-unforeseen-nothing-could-be-further-from-the-truth/
https://nypost.com/2020/03/30/trump-says-hes-sending-ventilators-directly-to-hospitals-battling-coronavirus/
https://www.thedailybeast.com/trump-im-doing-a-great-job-fighting-the-coronavirus-and-100000-of-you-will-die
Andere beschuldigen 

https://www.washingtonpost.com/politics/2020/03/26/trumps-coronavirus-self-congratulation-tour-illustrated/
https://www.politico.com/news/2020/03/13/trump-coronavirus-testing-128971
https://nymag.com/intelligencer/2020/03/trump-blames-hospitals-for-coronavirus-mask-shortages.html


Hier noch eine große Anzahl weiterer Aussprüche, die die FAZ gesammelt hat: Man glaubt anschließend nicht, dass Trumps Zustimmungswerte steigen! Es fällt schwer, darüber nicht zum Zyniker zu werden.

„They [die Kurden] didn’t help us with Normandy” – ARGG!!!

„Mir fällt zu Hitler nichts ein” schrieb Karl Kraus in seinem Aufsatz Die Dritte Walpurgisnacht von 1933. (Das stimmte nicht ganz, da er sich doch zu ihm analysierend geäußert hat.) Trotzdem kann ich das Gefühl, dass man schreibend einem irrlichternden Phänomen wie Hitler nicht beikommt und sich deswegen ohnmächtig fühlt, gut nachvollziehen, wenn ich an Trump denke.

Nun täte man Trump zu viel Ehre an, ihn in dieser Kategorie von Bösewichtern anzusiedeln. Dennoch bleibt bei der Vielzahl von Skandalen, offenkundigen Fehleinschätzungen, Bürgerkriegsrhetorik, dem feindseligen Ton gegen viele Minderheiten im eigenen Land etc. pp. der Eindruck, dass man schreibend dem Phänomen Trump nicht beikommt. Viele seiner Wähler teilen offenbar dieselbe geringe Bildung wie dieser Präsident. Anders kann man nicht erklären, dass – der aktuelle Fall – eine Äußerung wie „they [die Kurden] didn’t help us in the Second World War. They didn’t help us with Normandy, as an example.” nicht einen kollektiven Aufschrei der Entrüstung ausgelöst hat.

Wieso in aller Welt hätten Kurden in diesen für sie eher an der Peripherie angesiedelten 2. Weltkrieg eingreifen sollen? Sie hatten genug damit zu tun, sich in einem auf die Länder Iran, Irak, Türkei und Syrien aufgeteilten Siedlungsgebiet zu behaupten. Den eingeforderten Beistand („they didn’t help us”) hat Trump jedenfalls den Kurden, die die militärisch verlustreichen Bodenoperationen z.B. in Mossul durchgeführt haben, nachhaltig entzogen. Jeder, der in Zukunft eine militärische Kooperation mit US-Amerika eingeht, kann sicher sein, dass er sich auf nichts und niemanden verlassen kann. Nicht mal im ureigensten amerikanischen Interesse handelt der Cretin mit Inselbegabungen. Den IS oder vergleichbare Gruppen für besiegt und ungefährlich zu halten, ist bodenlos dumm. Womit sich der Kreis schließt.

Kann nicht mal einer von den (vielleicht) verbliebenen Grown-Ups im Weißen Haus diesem Trump auf die Finger hauen? Kurden haben übrigens, wie die New York Times berichtet, durchaus am Kampf gegen Hitler teilgenommen.

Neues von der Trumpfbacke

Schauergestalten dieser und der anderen Sorte

Es muss sich ungemütlich anfühlen, wenn der Herr so rumschreit: Großbuchstaben in Emails oder Twitter-Nachrichten sind bekanntlich als Schreien zu werten. Der erste Mitarbeiter Trumps aus seinem Kampagnenstab ist gestern mit Monafort festgesetzt worden. Außerdem wurden dessen Mitarbeiter Paul Gates unter Hausarrest gestellt und schon Anfang Oktober bekannte George Papadopoulos, ebenfalls aus Trumps Wahlkampfteam, dass er das FBI bei Vernehmungen belogen habe und dass er „proactive“ mit Sonderermittler Mueller kooperieren wolle.

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