Von Irland lernen

Als Irland-Aficionados verfolgen wir natürlich auch, was sich in unserer 2. Heimat in Covid-19-Zeiten tut. Zuerst muss man feststellen, dass Irland mit sehr harten Maßnahmen im Herbst die Erkrankungszahlen deutlich senken konnte: Lebensmittelgeschäfte sind vormittags in bestimmten Zeiten für ältere Menschen reserviert, Pubs und Restaurants haben geschlossen oder sind auf Take-Away beschränkt, der Bewegungsradius ist auf 5 Kilometer um den Wohnort beschränkt (mit Ausnahmen), das Leben ruht weitgehend. Das Ergebnis ist dieses:

Sicher trägt zu solch’ einer rigiden Politik auch bei, dass das irische Gesundheitssystem ziemlich mau ist. Keine/r liegt Wert darauf, in einem irischen Krankenhaus oder einer Ambulanz behandelt zu werden, wenn es um ernsthafte Erkrankungen geht.

Wie besonnen und klug aber der Umgang mit Covid-19 sonst noch ist, lässt sich bei der Irish Times unter dem Stichwort Lives Lost beobachten. Vielleicht geht es leichter in einem kleinen Land, dass das individuelle Leben höher geachtet und die Menschen, die es geführt haben, entschiedener wertgeschätzt werden. Zu sehr vielen Gestorbenen schreibt diese führende Zeitung des Landes einen kleinen Lebenslauf mit Kurzbeschreibung, Lebensdaten und einem Foto. Keine/r bleibt unbedacht.

Vielleicht wären die Nicht- und „Quer“denker in diesem Land anders unterwegs, wenn sie mitbekämen, wer auch aus ihrer Generation gestorben ist und wessen Geschichte besonders berührt. Von „Quer“-Denkern in Irland ist mir jedenfalls nichts bekannt.

PS 31.12.20: Inzwischen sehen die Zahlen für Irland deutlich ungünstiger aus. Möglicherweise ist die neue Virus-Mutation aus dem UK dafür verantwortlich.

Positiv: Der Tagesspiegel hat das Vorbild der Irish Times aufgegriffen. Auch hier finden sich inzwischen Mini-Porträts der Verstorbenen, mit denen diese der Anonymität der großen Zahl entrissen werden. Von solcher Wertschätzung gerne mehr…

Dingle, halt den Bagger, bitte!

Bagger im Hafenbecken (Mai 2018)
Tourismus ist ein wesentliches Standbein der Wirtschaft in Dingle wie in manch anderen Hafenstädten in Irland und Großbritannien. Auch das absehbare Ende von Fungie, dem ortsansässigen Delphin, hat sicher bei dem ein oder anderen in Dingle Nachdenken ausgelöst, wie man weiterhin viele, vielleicht sogar mehr Leute in das (noch bezaubernde) Städtchen locken kann.

Trotzdem hat es uns jetzt im Mai 2018 mehr als nachdenklich gemacht, als wir den Grund für die Bagger im Hafenbecken von Dingle erfuhren: Die Fahrrinne soll vertieft werden, so dass auch Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Für die 2. Jahreshälfte 2018 ist Dingle schon im Fahrplan einer Gesellschaft vertreten. Sicher sind die Kreuzfahrtschiffe, die in Dingle anlegen, nicht vom Format derer, die auf den Orkney-Inseln anlegen. Aber auch 120 Meter-Schiffe sind nicht gerade klein und werden absehbar den Charakter von Dingle deutlich verändern.

Dazu ein Erlebnis ebenfalls aus diesem Mai: Wir waren ein Stück des Kerry Ways zu Lord Brandon’s Cottage am Upper Lake in Killearney gewandert. Dort saß ein amerikanisches Paar – sagen wir mal, sie waren übergewichtig – und mampfte mächtig. Es war klar, dass das Paar nur deshalb an diesen Ort gekommen war, da von Ross Castle aus Boote über den See hierhin fahren und nur ein Fußweg von vielleicht 150 Metern zu bewältigen war. Das alles war wunderbar und schmälerte für keinen der Beteiligten den Genuss.

Ich male mir aus, wenn in Dingle in Zukunft viele solcher eher unbeweglichen Leute mit Kreuzfahrtschiffen anlanden. Sie müssen dann wirklich nur noch die Gangway runter und werden das Bild in Dingle prägen. Um das Hafenbecken herum und in den ortsnahen Pubs und Restaurants – da braucht es nicht viel Phantasie – werden sie sitzen, und sitzen, und sitzen… und sie werden ungehalten reagieren, wenn man sich vielleicht im Courthouse oder bei Dick Mack’s neben sie quetschen möchte. Auch sonst wird damit ein Massentourismus in Dingle Einzug halten, von dem man sich vorher fragen sollte, ob man ihn so will.

Auch Einheimische oder Dingle-Touristen sind nicht nur positiv diesen bevorstehenden Neuerungen gegenüber eingestellt, wie ein Diskussionsbeitrag bei tripadvisor und die ihm folgenden Kommentare zeigen. Und Einwohner und Geschäftstreibende in Orkney, die schon Erfahrungen mit dieser Form von Tourismus sammeln konnten, berichten zwiespältig bis negativ.

Von daher wünsche ich mir, dass man den Kreuzfahrt-Tourismus in Dingle noch einmal überdenkt und lieber auf das bisherige Stammpublikum setzt.

Stück Irland im Garten

Zugegeben, es ist noch keine Hecke. Ein Anfang ist aber gemacht: Auf der Fahrt letztes Jahr nach Irland mit eigenem Auto ließen sich auch 3 Mombretien-Knollen, die ich mal auf der Straße gefunden hatte, mitnehmen.

Hatte es fast schon aufgegeben darauf zu hoffen, dass diese Monbretien hier anwachsen würden. Jetzt ist es aber soweit. Bin gespannt, ob wir am Ende einen ordentlichen Büschel von diesen tollen Blumen im Garten haben werden. Hier noch eine schöne Nahaufnahme dieser Blume.