Buddha in Bad Dürkheim

Wer auf der Suche nach einem Feriendomizil in der Pfalz eine ganze Zahl von Wohnungen besichtigt hat, kommt um eine Erfahrung nicht herum: Statt Kruxifix im Eingangsbereich oder Engel über dem Ehebett gibt es nicht selten Buddha-Abbildungen oder -Figuren zu sehen. An einer nicht unwichtigen Stelle hat sich offenbar für viele etwas deutlich geändert: Traditionelle Orientierung am Christentum raus, fernöstliche Buddha-Optik (oder mehr?) rein.

Was bringt Leute dazu – habe ich mich gefragt – sich zumindest äußerlich dieser Weltanschauung zuzuwenden? Dass sie eine honette Religion (Heinrich Heine) sei, lässt sich übrigens bezweifeln, da sie keinen transzendentalen Gott kennt.

Auf der Suche nach Antworten lässt sich Verschiedenes erwägen. Die erste Antwort ist vermutlich eine negative Bestimmung. Die Imprägnierung durch ein auch kulturell und gesellschaftlich etabliertes und damit sichtbares Christentum ist für viele Menschen ausgeblichen. Was nützen die Kirchtürme und das Glockenläuten oder die Heiligenbilder bei der Oma, wenn das gelebte Christentum nur an wenigen Stellen und durch wenige glaubhafte Leute beeindruckt? Christentum hat es dazu noch schwer – ein selbst gemachtes Problem – durch den Skandal um sexualisierte Gewalt positiv zu erscheinen. Das alles hinterlässt eine Leerstelle, wenn Krankheit oder Wissen um die eigene Endlichkeit, auch Kontingenzerfahrung genannt, bohren.

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Christentum und Ferner Osten

West nach Ost

Obwohl geographisch sehr entlegen, war das Interesse von christlichen Ordensleuten an China und Japan schon früh groß. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts zogen die Jesuiten Matteo Ricci (siehe Bild) und Michele Ruggieri mit Zwischenstationen nach China. Sie ließen sich dort auf Sprache und Kultur dieses großen Landes ein. Ricci schlüpfte in das Gewand eines buddhistischen Mönchs und fand durch seine vielfältigen wissenschaftlichen Kenntnisse Beachtung. Er gewann nicht wenige Menschen für das Christentum und starb als geschätzter Gelehrter 1610 in China. Ihm wurde die Ehre zuteil, auf einem Friedhof in Peking beigesetzt zu werden.
Eine Besonderheit in seiner Vermittlung des Christentums war, dass er den traditionellen Ahnenkult nicht abwertete, sondern – letztlich vergeblich – in seine geistige Sendung zu integrieren versuchte.
Weniger erfolgreich war der Versuch von Jesuiten, in Japan das Christentum bekannt zu machen. Eindrucksvolle Zeugnisse dieses Scheiterns liegen in Scorseses Film und der gleichnamigen Buchvorlage von Endo (“Silence”) aus jüngster Zeit vor. Sowohl in China als auch in Japan spielt das Christentum heute eher eine untergeordnete Bedeutung.

Ost nach West

Gedanken- und Ideenaustausch fand – und findet noch heute – auch in der Gegenrichtung statt. Hier ist vor allem an Zen zu denken, der von verschiedenen Menschen als Bestandteil christlicher Meditationspraxis etabliert wurde. In Japan hat sich der 1990 verstorbene und aus Deutschland stammende Hugo Enomiya-Lassalle SJ als einer der ersten dieser aus dem Buddhismus stammenden Meditationsform geöffnet. In Deutschland ist weiterhin Stefan Bauberger SJ zu nennen, der Zen aktiv betreibt und für kirchliche Praxis für wertvoll hält. Unter dem Namen Ashram Jesu gibt es in Oberzeuzheim, in der Nähe von Limburg und Hadamar gelegen, und in St. Peter, Köln, Initiativen, Zen in einem christlichen Umfeld zu betreiben.