Alternativ-Sein schützt nicht vor Hirnschädigung – oder ist das zu hart formuliert?

Ja, es gibt nachweislich Leute, die nach einer Covid-Schutzimpfung gestorben sind. Deren Prozentzahl bewegt sich im Bereich von kleinen Bruchteilen eines Promills. Auch deren Tod gehört beklagt.

Diese Meinungsäußerung aus Schablone und Sprühdose fand ich in der Marienstraße, bei mir um die Ecke. Für mich spricht die Form der Meinungsäußerung für alternatives Milieu.

Wer sich darüber aber über die inzwischen 91.679 Todesfälle durch Covid-19 (Stand 3.8.21, 13 Uhr, Quelle: RKI) hinwegsetzt, muss sich ernstlich nach seiner / ihrer Tauglichkeit für einen vernunft- und evidenzbasierten Diskurs fragen lassen.

Gleiches gilt für eine Klage über die Corona-Diktatur, die sich am Ende meiner Straße Richtung Vogelsanger Straße finden lässt. Macht mich einfach nur baff…

 

Ganz tief ins Klo gegriffen

Lieber Jan-Josef Liefers,

Sie haben offenbar den Versuch unternommen, die Borniertheit und Blasiertheit Ihrer Filmfigur Professor Boerne zu übertreffen. Ich kann feststellen, das ist Ihnen vorzüglich geglückt. Chapeau!

Was mich wundert ist, dass Sie bei der großen Demonstration am 4. November 1989 in Berlin nach meiner Erinnerung ganz vernünftige Sachen gesagt haben. Das waren aber wohl bloße Jugendsünden. Vielleicht sollten Sie Ihren Horizont auch mal ein wenig weiten, indem Sie sich eine Dokumentation zum Klinikalltag in der Charité in ihrem Kampf gegen Covid-19 ansehen. Wenn das nicht hilft, wäre sicher ein 5-Tage-Praktikum in einem beliebigen Krankenhaus mit Pfanne-Schieben und Urin-Flaschen-Leeren von Nutzen. Seien Sie versichert, das erdet.

Vielleicht fällt es anschließend schwerer, so selbstgerecht und scheinbar über das Parteiengezänk erhaben sich die bundesrepublikanische Welt zurecht zu machen. Beim nächsten Mal bitte erst nachdenken, dann quatschen.

freundliche Grüße

G. Jünger

Aus dem Quark kommen beim Impfen

Die Zahlen bei den Schutzimpfungen gegen Covid-19 sind ernüchternd: Deutschland erreicht bis 3.3.21 6.604.578 Impfungen, Köln 46.514 (bis 4.3.21). Legt man das Tempo von damit erreichten 694 Impfungen in Köln pro Tag zu Grunde, würde es weitere 941 Tage dauern, bis 700.000 der einen Million Kölner Einwohner geimpft wären. Das sind fast 3 Jahre! Ein ähnliches Ergebnis stellt sich ein, wenn Deutschland betrachtet wird: Selbst wenn ein bescheidenes Ziel formuliert wird und nur 50 Millionen weitere Deutsche geimpft werden sollen, würde dies – mit dem bislang erreichten Tempo (98.576 Impfungen / Tag) weiterbetrieben – noch 507 Tagen dauern.

Angesichts der gefährlichen Mutationen des Virus aus England und Süd-Afrika mutet das wie mutwillige Selbstverstümmelung an. Gewiss, noch sind nicht die Mengen an Impfdosen vorhanden, die man benötigt. Wenn man aber auf das versprochene Hochfahren der Produktion setzt, wäre es denkbar, einen Teil der Reserven für die Zweitimpfung jetzt anzugreifen. Damit wäre es möglich, die Zahl zumindest der Erstgeimpften schneller nach oben zu treiben. Und: Nicht alle Vakzine benötigen zwei Impfungen.

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Von Irland lernen

Als Irland-Aficionados verfolgen wir natürlich auch, was sich in unserer 2. Heimat in Covid-19-Zeiten tut. Zuerst muss man feststellen, dass Irland mit sehr harten Maßnahmen im Herbst die Erkrankungszahlen deutlich senken konnte: Lebensmittelgeschäfte sind vormittags in bestimmten Zeiten für ältere Menschen reserviert, Pubs und Restaurants haben geschlossen oder sind auf Take-Away beschränkt, der Bewegungsradius ist auf 5 Kilometer um den Wohnort beschränkt (mit Ausnahmen), das Leben ruht weitgehend. Das Ergebnis ist dieses:

Sicher trägt zu solch’ einer rigiden Politik auch bei, dass das irische Gesundheitssystem ziemlich mau ist. Keine/r liegt Wert darauf, in einem irischen Krankenhaus oder einer Ambulanz behandelt zu werden, wenn es um ernsthafte Erkrankungen geht.

Wie besonnen und klug aber der Umgang mit Covid-19 sonst noch ist, lässt sich bei der Irish Times unter dem Stichwort Lives Lost beobachten. Vielleicht geht es leichter in einem kleinen Land, dass das individuelle Leben höher geachtet und die Menschen, die es geführt haben, entschiedener wertgeschätzt werden. Zu sehr vielen Gestorbenen schreibt diese führende Zeitung des Landes einen kleinen Lebenslauf mit Kurzbeschreibung, Lebensdaten und einem Foto. Keine/r bleibt unbedacht.

Vielleicht wären die Nicht- und „Quer“denker in diesem Land anders unterwegs, wenn sie mitbekämen, wer auch aus ihrer Generation gestorben ist und wessen Geschichte besonders berührt. Von „Quer“-Denkern in Irland ist mir jedenfalls nichts bekannt.

PS 31.12.20: Inzwischen sehen die Zahlen für Irland deutlich ungünstiger aus. Möglicherweise ist die neue Virus-Mutation aus dem UK dafür verantwortlich.

Positiv: Der Tagesspiegel hat das Vorbild der Irish Times aufgegriffen. Auch hier finden sich inzwischen Mini-Porträts der Verstorbenen, mit denen diese der Anonymität der großen Zahl entrissen werden. Von solcher Wertschätzung gerne mehr…

Auch das noch: Fungie ist fort

Für 37 Jahre besaß das Städtchen Dingle auf der gleichnamigen Halbinsel eine verlässliche Attraktion: Der auf den Namen Fungie getaufte Delfin lebte ortsfest im großen Naturhafen von Dingle. Seit Mitte Oktober diesen Jahres gab es keine Sichtungen mehr des Delfins. Eine zuverlässige Erwerbsquelle für die Bootsführer einer Reihe von Schiffen ist weggefallen. Diese Menschen müssen sich nach etwas Neuem umsehen.

Auch wenn mir der Rummel um Fungie manchmal auf die Nerven ging (und erst recht vermutlich diesem Tier), war es doch schön, abends zum Leuchtturm zu gehen und einigermaßen zuverlässig Fungie vom Ufer aus beobachten zu können.

Vielleicht war für Fungie auch einfach nicht genug los, jetzt im Covid-19-Lockdown. Häufig lieferte er sich Wettrennen mit den Booten, die jetzt kaum noch ausfuhren. Zum Trost: Ortsfeste Delfin-Gruppen gibt es auch an der schottischen Küste im Moray Firth vor Inverness. Wir haben auch schon mal Delfine vor Ventry / Ceann Trá beobachtet. Die Welt hat es übrigens registriert, dass dieses besondere Tier sich verzogen hat oder tot ist: New York Times, BBC und die Irish Post berichteten.

Kultur der Wertschätzung – auch für Kirchen essentiell

Katholische Kirche in diesen Zeiten – zumal in Köln – ist wahrlich kein Kindergeburtstag: Allen verbalen Bekundungen zum Trotz ist der Missbrauchsskandal noch immer nicht so aufgeklärt, dass die Schuldigen vor Ort und in den kirchlichen Verwaltungen benannt sind. Menschen treten in Scharen aus und Kirchgemeinden müssen zu immer größeren Einheiten zusammengelegt werden. Das trägt nicht gerade zur Identifikation vor Ort bei und bürdet den hauptamtlichen Seelsorgern und den weinigen Seelsorgerinnen eine für die Gesundheit ruinöse Last auf.

Ein durchaus selbstgemachtes Problem ist aber ein eklatanter Mangel an einer Kultur der Wertschätzung, der gerade bei den neuen Verwaltungsstrukturen in Erscheinung tritt. Dazu drei Beispiele:

• Pfarrsekretärinnen sind eine in der Regel unterbewertete Personengruppe in einer Pfarrei: Sie nehmen die Anfragen für Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten entgegen, geben dem Obdachlosen einen Gutschein für die nächste Bäckerei, sorgen für den vielfältigen alltäglichen Bürokram, koordinieren, machen und tun und sind damit ein Gesicht von Kirche nach außen. Sie haben in der Vergangenheit einigermaßen dezentral ihre Aufgaben wahrgenommen, müssen aber – angesichts von sinkenden Kirchensteuereinnahmen – in größeren und anonymeren Pfarrbüros in Zukunft ihre Arbeit bündeln. Wird dann eine sturmerprobte Pfarrsekretärin, die keiner Arbeit aus dem Weg ging und selbstständig arbeitete, verabschiedet, sollte dies zu einer gebührenden Würdigung ihrer Arbeit führen. Auch der neu bestellte Pfarrer, der ihr segensreiches Tun vielleicht nicht so konkret wahrnehmen konnte, ist gut beraten, diese Würdigung unter Einsatz seiner ganzen Person so vorzunehmen. Man befrage einmal die in Ruhestand gegangene Pfarrsekretärin A in B, wie sehr sie sich bei der irgendwie doch zustande gekommenen Verabschiedung wahrgenommen gefühlt hat…

• Die Pfarrgemeinde X in Köln hat eine Grußkarte erhalten. Eine künstlerisch begabte aktive Mitarbeiterin in der Pfarrei hat sie entworfen. Alle, die die Karte in Händen halten, halten sie für einen großen Wurf. Die Pfarrgemeinde setzt die Karte bereits ein. Der Beitrag ist aber weder vom Pfarrer noch von sonst einem Hauptamtlichen wahrgenommen worden, geschweige denn irgendein dankendes Wort ausgesprochen worden. Es ist dem Zufall und einer aufmerksamen anderen Frau aus der Gemeinde zu verdanken, dass die Initiatorin und Schöpferin der Grußkarte überhaupt Kenntnis davon erhält, dass ihre Karte verwendet wird.

• Die Pfarrgemeinde Y in Köln liegt in einem besonderen, eher kirchenfernen Stadtteil. Es ist eher selten, dass die Gemeindemitglieder jemand im kirchlichen Auftrag an der Wohnungstür stehen sehen. Dort war es Jahr für Jahr üblich, dass 60 Sternsingerinnen und Sternsinger in jedem Januar ausgesendet wurden. Die Zusammenlegung der Pfarrbezirke hat dazu geführt, dass übergeordnet dieses ehrenamtliche Engagement der begleitenden Eltern neu “gewürdigt” wird. Statt, dass der Hauptamtler den Eltern die Füße küsst, dürfen diese sich erst einmal anhören, was auf dem Begleitbrief zur Sternsingeraktion alles fehlt. Man würde sich wundern, wenn unter solchen Umständen die Eltern ihr Engagement fortführen – oder?

Ein Anteil an diesem katastrophalen Versagen und ausbleibender Wertschätzung wird man vielleicht den Covid-19-Bedingungen und Nachwirkungen der Neuordnungen zuschreiben können. Mein Verdacht ist aber, dass diese mangelnde Wertschätzung systemisch ist. Eine kleriker-zentrierte Kirche ist offenbar immer noch der Meinung, dass die Hauptamtler die wahren Kirchenvertreter sind und der Rest dahinter zurücktritt. Er darf dann froh sein, auch mal mitmachen zu dürfen.

Der Jesuit Klaus Mertes hat in diesem Zusammenhang mal gesagt Gott spricht durch die Welt. Wer die Lernprozesse in der Kirche auf die harte Tour braucht, tritt weiterhin möglichst vielen Leuten vor das Schienenbein oder übersieht geflissentlich, was die aktiven Frauen und Männer alles bewirken. Jedes Unternehmen, das so verfährt, verschwindet über kurz oder lang. In Sachen Kirchens sind die Leute ein kleines bisschen langmütiger, aber für dumm verkaufen und nicht gesehen, lässt sich auf Dauer keine(r). Man wird Silvester hören, wie viele Menschen erneut aus der Kirche ausgetreten sind. Wundern sollte sich dann keiner.

Zivilisierende Wirkung von Kirchen

Was soll hier das Kreuz??? © Martin Schlorke / pro

Gegenwärtig kommen zwei Dinge zusammen, die aus meiner Sicht deutlich nachteilig sind und sich gegenseitig wechselweise verstärken: Kirche in Deutschland, zumal die katholische Kirche, der ich angehöre, taumelt mehr als das sie zielgerichtet handelt im immer noch nicht entschieden angegangenen Missbrauchsskandal.

Mein persönliches Anschauungsfeld: Das hiesige Erzbistum Köln. Es hat – anders als das Bistum Aachen – einen Missbrauchsbericht von einer Münchner Anwaltskanzlei zwar erstellen lassen, aber bislang nicht veröffentlicht. Vorgegeben für die ausgebliebene Veröffentlichung wurden die Interessen von Missbrauchsopfern. Das stellt für mich einen erneuten Übergriff von Erzbischof Woelki und seinem Generalvikariat gegenüber den Betroffenen dar. Sie wurden instrumentalisiert, um Fehlverhalten z.B. von Bischof Stefan Heße (Hamburg, früher Personalverantwortlicher in Köln) zu verdecken. Alles in allem eine unwürdige, unwahrhaftige und von Glaubenszeugnis meilenweit entfernte Praxis. Das Ergebnis werden Scharen von Leuten sein, die weiter aus der katholischen Kirche austreten. Und – ehrlich gesagt – ich kann es ihnen kaum verdenken.

Das zweite negative Phänomen: Seit Covid-19 haben wir es – ein Vorgang mit zeitweiliger Überschneidung – mit Zeitgenossen zu tun, die sich selbst als Querdenker oder Systemopposition darstellen. Häufig herrscht bei ihnen ein hysterischer Ton vor: Trump als imaginierter Berlinbesucher zeitgleich zur Demonstration am 29.8.2020. Oder eine “Jana aus Kassel”, die allen Ernstes meinte, sich mit Sophie Scholl vergleichen zu müssen. Insgesamt geht es darum, dass einige Leute die zugegeben schmerzlichen temporären Einschnitte der persönlichen Freiheit zum Schutz gegen Covid-19-Viren im Namen von absolut gesetzten Persönlichkeitsrechten strikt ablehnen.

Wie anders könnte sich dieses Problemfeld darstellen, wenn mehr Menschen als die weniger zahlreichen sonntäglichen Kirchgänger regelmäßig mit der christlichen Botschaft in Berührung kämen? Die moralische Seite des Christentums steht zwar nicht im Vordergrund (schon gar nicht im Bereich der Sexualmoral!), sie könnte aber all’ denen – die vor lauter Ich, Ich schon fast in Schnappatmung verfallen – sagen: Pass mal auf, du bist wichtig, du bist sogar unüberbietbar geliebt, aber du solltest dich an diesem Schriftwort messen: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Lev 19,18, Mt 19,19)

Der oder die andere, zumal wenn sie oder er schwach ist, hat also die gleiche Daseinsberechtigung und das gleiche Recht auf Leben und Entfaltung wie ich selbst. Wer das einigermaßen regelmäßig im kirchlichen Rahmen oder per Bibellektüre oder vom Freund oder der Freundin gesagt bekommt, ist für das Sockenschussmilieu der Querdenker, QAnons und anderweitig Verpeilten unrettbar verloren. Katholische Kirche, mach’ endlich deine Missbrauchshausaufgaben, sorge für eine unbelastete Bistumsleitung und kehre dann zu deinem Kerngeschäft zurück: frohe Botschaft verkünden. Du könntest tatsächlich gebraucht werden! Und nicht nur Christinnen und Christen könnten davon profitieren, wenn ein zivilisierter Umgang miteinander auch im kirchlichen Feld verstärkt würde. Auch die Zivilgesellschaft insgesamt könnte erfreut sein, von einer als Teamplayer auftretenden Kirche unterstützt zu werden.

EU-Obstruktion durch Polen und Ungarn nicht hinnehmbar

Beide Länder versuchen durch ihr Veto, Hilfsgelder der EU für die Bewältigung der Krisen-Kosten zu blockieren. Ein Teil der Auszahlung wird an die Einhaltung rechtsstaatlicher Standards geknüpft, die beide Länder in den letzten Jahren deutlich verfehlt haben.

Ich hoffe, dass dieses Mal nicht – um eines faulen Friedens willen – Kompromisse um jeden Preis angestrebt werden. Die EU ist auch ein Werte-Bündnis, bei dem die Verletzung zentraler Werte nicht hingenommen werden kann. Besonders ins Auge sticht in dieser Hinsicht, wie die Rechtssprechung in Polen unterminiert wird. Genauso bedenklich ist, wie Ungarn die Entourage von Viktor Orbán alimentiert, teilweise auf Kosten der EU. Sehr deutlich beschreibt das George Soros im Tagesspiegel.

Gute Nachbarschaft in der EU funktioniert nur in Wechselseitigkeit. Polen ist im Moment beispielsweise darauf angewiesen, Covid-19-Patienten nach Deutschland zu bringen. Die eigenen Versorgungsmöglichkeiten sind ausgeschöpft.

Sollte sich herausstellen, dass die EU immer wieder durch Länder wie Polen, Ungarn oder auch Slowenien oder die Slovakei an zielgerichteter Politik (z.B. auch beim Klima-Schutz) gehindert wird, könnte man auch über grundlegendere Gegenaktionen nachdenken: EU auflösen und ohne die Störenfriede neu konstituieren. Bevor es dazu kommt, sollte erst mal die Fidesz (Ungarn) aus der EVP ausgeschlossen werden.

Rollenmodell für Türkischstämmige in Deutschland

Köln hat eine türkische Community, die 10 bis 15 % der Wohnbevölkerung erreichen dürfte. Als Lehrer in Köln-Nippes machte sich das für mich oft so bemerkbar, dass zahlreiche Eltern, häufiger noch die Mütter, so gut wie kein Deutsch sprachen oder verstanden. Wie häufig saßen dann die Eltern beim Elternsprechtag vor mir und bekamen kaum mit, was ich zu ihren Kindern vermitteln wollte. Deutsch sprechen zu können war für sie – so empfanden sie – auch gar nicht nötig: Eingekauft, zum Friseur oder in ein Teehaus gegangen wurde im türkischsprachigen Umfeld. Waren dann noch die Ehefrauen aus der Türkei eingeflogen worden, hatten diese noch nicht einmal im Kindergarten oder in der Schule mit der deutschen Sprache und mit Deutschen Kontakt aufgenommen.

Um so mehr freut es mich jetzt, dass die Firma Biontech massgeblich von zwei türkischstämmigen Deutschen gegründet und zum Erfolg geführt wurde. Uğur Șahin stammt sogar aus Köln und hat im Nippes benachbarten Erich-Kästner-Gymnasium als Jahrgangsbester Abitur gemacht. Seine Frau Özlem Türeci stammt aus Istanbul und ist in der Nähe von Cloppenburg aufgewachsen. Beiden kommt entscheidender Anteil daran zu, den bislang aussichtsreichsten Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt zu haben. Dieser weist nach den bisherigen Studien eine sagenhafte Erfolgsquote von 90 % auf. (Eine nicht ganz unwichtige Einschränkung für den Erfolg ihres Vakzins ist allerdings, dass es bei – 70° Celsius gehalten werden muss.)

Vielleicht ist das ja der einen Schülerin oder dem anderen türkischstämmigen Schüler Ansporn, es den beiden nachzutun. Alle würden davon profitieren. Ach ja: Und schade, dass ich nur 8 Biontech-Aktien besitze.

Nachtrag 17.12.: Eine Präsentation mit Frau Merkel, Frau Karlicek, Herrn Spahn, Herrn Șahin (spricht man das nicht Schahin aus?) und Frau Türeci – Bewundernswert, wenn Leute, die dermaßen exzellent gearbeitet haben, Bodenhaftung behalten, die Leistungen ihrer Mitarbeiter*innen betonen und bescheiden auftreten. Noch einmal großer Glückwunsch!

Nachtrag 18.2.21: Meine Begeisterung für die Firma Biontech hat etwas gelitten, nachdem die SZ von der eigenwilligen Preisgestaltung der Firma für je eine Impfdosis ihres Covid-19-Vakzins berichtet. Man wollte offenbar zunächst mit 54 € hinlangen, hat sich aber dann später auf einen Preis um die 15 € eingelassen. Wenn man berücksichtigt, dass die Firma mit Geldern der öffentlichen Hand gefördert wurde, ist dieses Vorgehen ziemlich ernüchternd. Möglicherweise hat es auch dazu geführt, dass die Verfügbarkeit von Impfstoff sich weiter hinausgezögert hat.