Als Herr Lauterbach mal einen lichten Moment hatte…

Wer kennt ihn nicht? Karl Lauterbach, Dauergast in Talk Shows, Gesundheitsminister und ist offenbar mit der Devise unterwegs „lieber Kauz als gar keine Individualität”*. Nun hat er sich in Sachen Krieg in der Ukraine deutlich und gegen das Lari-Fari vieler seiner Parteigenossinnen und -genossen und erst recht gegen Richard David Precht (vielleicht doch besser Umschulung zum Model, Herr Precht?) geäußert:

„Mal ehrlich: Was sollen denn jetzt Kniefälle vor Putin bringen?“, fragte Lauterbach daraufhin auf Twitter. „Wir sind im Krieg mit Putin und nicht seine Psychotherapeuten. Es muss weiter konsequent der Sieg in Form der Befreiung der Ukraine verfolgt werden. Ob das Putins Psyche verkraftet, ist egal.“**

Diese Stellungnahme ist deutlich und verdient wahrgenommen zu werden. Putin ist tatsächlich längst in einem hybriden Krieg gegen den Westen begriffen. Dazu zählen die Angriffe auf die Ostsee-Pipelines, seine Erpressungspolitik mit Gas und Öl gegenüber einzelnen Staaten der EU und seine Medienpolitik via RT und anderen Medien.

So zu tun, als müsse man nur Kinder, jetzt ist aber Schluss, jeder geht mal in eine Ecke rufen und zur Bekräftigung mit dem Fuß aufstampfen, ist weit mehr als naiv. Karl Lauterbach hat zumindest mal in seiner Partei eine wahrnehmbare Position bezogen.

*von ihm wird berichtet, dass er an Büffets auch schon mal die Gäste belehrt, was sie gerade im Moment alles Gesundheitsschädliches zu sich nehmen
** Quelle: Welt – Online Portal

Internationale der Guten

Zu den 20 Filmen, die auf die Bucket List von jeder und jedem gehören, zählt für mich der Film von Aleksandr Askoldov „Die Kommissarin”. Im Zentrum des Films steht eine Russin, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in den Wirren des Bürgerkriegs zwischen Weißen und Roten im Dienst der Roten Armee steht. Da sie schwanger ist und für das Kämpfen nicht mehr taugt, findet sie in größter Bedrängnis beim Beschuss durch feindliche Truppen Unterschlupf bei einer jüdischen Familie. In dieser Situtation – sehr beeindruckend für mich –, in der das Überleben auf Messers Schneide steht, beginnen die Juden zu tanzen. In diesem Zusammenhang fällt auch (zumindest erinnere ich das so) der Satz von der „Internationale der Guten”. Er drückt eine Hoffnung aus auf ein Leben und Überleben jenseits von Ideologien, auf das sich die einfachen Leute rasch einigen können.

Was lässt sich daraus lernen? Erstens: Auch wenn das einem in der augenblicklichen Situation schwer fällt zu glauben, es gibt und gab sie die Russinnen und Russen, die Humanität und Kultur über Krieg und Dominanzbestreben stellten. Konsequenterweise war der 1967 gedrehte Film in der Sowjetunion verboten und konnte erst in der Zeit Gorbatschovs sein Publikum erreichen.

Zweitens: In einem Moment, wo dieser Irre Putin (noch sein Wort von „Unsere Werte sind Nächstenliebe, Humanität und Mitleid.” im Ohr?*) das Geschmeiß dieser Welt (die Tschetchenen Kadyrows, die Mörder der Gruppe Wagner, gedungene Syrer, Droneninstrukteure aus dem Mullah-Land und andere) hinter sich versammelt, geht es um eine glaubhafte und wirksame Unterstützung der Ukraine. Sie kann die Gegenwehr gegen diesen immer noch überlegenen Gegner nicht alleine stemmen.

Meine Anerkennung haben die Leute, die sich nach dem Vorbild der Internationalen Brigaden der dreißiger Jahre in den Dienst der Ukraine stellen und mit der Waffe kämpfen. Für einen demnächst Siebenundsechzigjährigen keine Option. Es geht aber auch anders. Auf dieser Web-Seite, der das obige Bild entnommen ist, lässt sich Geld für die ukrainische Armee spenden. Schön im emphatischen Sinne von schön ist das nicht, aber in meinen Augen nötig. Klicken, Kartendaten und Betrag in die Maske eintragen, der Betrag wird anschließend in die Landeswährung umgerechnet und ok klicken. Eine Option.

Und nein: Ich beanspruche nicht, damit umstandslos bei den Guten gelandet zu sein. Ohnehin ist bei Leuten, die das für sich in Anspruch nehmen, fast immer viel moralisches Tremolo im Spiel. Nicht meine Welt.

Selbstverständlich lassen sich auch auf ausschließlich friedliche Weise die Menschen in der Ukraine unterstützen. Einige Hilfsangebote dafür sind:

Ukraine – Hilfe in der Krise

Hilfsmöglichkeiten für die Ukraine (Jesuit Refugee Service)

*Quelle: Meduza

1. Fight Club Köln?

Nizza war ein Höhepunkt, steht aber nicht alleine: Bestimmte Fangruppen, die der FC (am Rand?) duldet, hauen gern einfach mal drauf. Ob Leute schwer verletzt werden, ob gehöriger Sachschaden entsteht – für diese Männerbünde wirklich völlig sekundär.

Es gäbe verschiedene Arten darauf zu reagieren: Der FC richtet eine Faustkampfabteilung ein oder – besser – gegenüber Fangruppen, die identifizierbar sind und die nur die Mollie machen wollen, werden 5- oder 10jährige Ausschlüsse von FC-Spielen ausgesprochen. Der FC als Hausherr sollte dazu rechtlich in der Lage sein. Wer Identitätsdiebstahl begeht oder dazu verhilft, wird gleichermaßen ausgeschlossen.

OK. Ich gestehe, ich bin mit dieser Form von Männerkultur nicht sehr vertraut. Wäre das nicht ein probater Weg? Gewalt solcher Art darf jedenfalls nicht stillschweigend tolleriert werden.

Berghof 1956 – die Mutter aller „lost places”

Hitler, der Postkartenzeichner und Soziopath, hatte eine Eigenschaft, die ich mit ihm teile: Er hatte einen Hang zur Idylle und mochte die Alpen. Sein Berghof, in den er seine Entourage, aber auch einen Chamberlain einlud, war gleichzeitig eine gigantische Maschine zur Vermeidung von Realität. Hier konnte er die Luftangriffe auf deutsche Städte und das sich abzeichnende düstere Ende konsequent ausblenden. Er blieb dieser Idylle bis zum Juli 1944 treu.

Was mochte mein Schwiegervater, der den Krieg als Flakhelfer und Leichenbeseitiger nur erlitten hatte, empfunden haben, als er den Berghof 1956 (?) besuchte und sich mit Selbstauslöser vor dem berühmten Panoramafenster ablichten ließ? [Für eine vergrößerte Ansicht auf das Bild klicken]

„Ain’t Gonna Study War No More”

Ja, das wäre schön, Krieg nicht mehr studieren zu müssen. So heißt es im Spiritual „Down by the riverside”. Und wir sollten uns die Vorstellung nicht austreiben lassen, dass es tatsächlich in der Zukunft zu fundamental friedlicheren Zeiten kommen könnte. Dazu bräuchte es allerdings eine Welt, in der die Putins, Xi Jinpings, Kim Jong-uns, und wie die Schurken dieser Welt sonst noch heißen, weniger Unheil anrichten könnten.

Solange leider auch die Beschäftigung mit dem Krieg in der Ukraine zum Tagesgeschäft gehört, empfehle ich als verlässliche Quelle das amerikanische „Institute for the Study of War”. Hier werden alle zugänglichen Quellen verlässlich ausgewertet und an jedem Tag für den Vortag eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse auf Englisch geboten.

Ich weiß nicht, ob Frau Lambrecht neben ihren Terminen im Nagelstudio dazu kommt, hier mal Informationen aufzunehmen. Es könnte ihren Horizont erweitern…

Der Windbeutel Boris Johnson ist geplatzt – endgültig

Jede und jeder, die oder der auf eine vernunft- und wertebasierte Politik setzt, wird sich freuen, dass der Windbeutel der britischen Politik aka „BoJo“ endgültig geplatzt ist. Hoffentlich kann er in der Vakanz, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger bestimmt wird, keinen großen Schaden mehr anrichten.

Ein Land mit einer langen parlamentarischen und demokratischen Tradition hat Besseres verdient…

§ 219a gestrichen – kein Grund zu jubeln

Es war gegen Ende meiner Schulzeit (Abitur 1974), dass im Bundestag heftig über das Für und Wider einer Fristenlösung beraten wurde. Ich konnte mich im Laufe der Jahre mit dieser “Lösung” mehr oder weniger abfinden, anfreunden wäre definitiv zuviel gesagt, da ich mir als Mann eine grundsätzlich eingeschränkte Sichtweise auf den Problemkomplex Eigenständigkeit vs. Lebensrecht, der nun mal Frauen zuerst betraf, zuschrieb.

Heute soll nun der §219a, der bislang Werbung für abtreibende Ärztinnen und Ärzte untersagte, gestrichen werden. Dass bisher jede und jeder, die oder der sich über Abtreibungsmöglichkeiten in ihrer oder seiner Region informieren wollte, vielfältige Angebote per einfachster google-Suche erhielt? – Nebbich. Eine Abtreibung ist aber deutlich etwas anderes als z.B. die Entfernung von Krampfadern oder eines Hallux Valgus. Das bisherige Werbeverbot war für mich Ausdruck eines gesellschaftlichen Konsenses: Hier die berechtigten Autonomieansprüche jeder Frau – dort der Eingriff in ein entstehendes Leben, das mit jeder Abtreibung* beendet wurde. Vielleicht wird es ja eine etwas andere Frauenbewegung irgendwann berücksichtigen, dass immerhin die Hälfte aller Abtreibungen Mädchen, also zukünftige Frauen, betrifft. Das im Hinterkopf zu behalten, wäre doch ein Gewinn. Diesen Konsens aufzukündigen ist in jedem Fall mehr als bedauerlich.

Ich weiß von Leuten, die auch noch nach 40 Jahren um ein abgetriebenes Kind trauern…

*Die Koinzidenz: Die USA wird gegenwärtig vom Thema „Abtreibung“ zerrissen. Ein wichtiges Urteil in Sachen Roe vs Wade wurde höchstrichterlich gekippt. Dies hat zur Folge, dass in einigen Bundesstaaten jegliche Abtreibungsmöglichkeit beseitigt wird. Das ist eine Katastrophe. Der katholische Präsident Joe Biden, seine Regierung und zahlreiche Massenproteste halten dagegen. Ende offen.

Zhanna Agalakova zur Qualität des russischen Fernsehens

Es gibt sie, Gott sei Dank, die russischen Künsterinnen und Künstler, Journalistinnen und Journalisten oder Angehörige anderer Berufe, die nicht die Mär vom „ukrainischen Genozid“ und quasi präventiven Angriffskrieg nachbabbeln. Heute gebührt Zhanna Agalakova Aufmerksamkeit mit ihrem Beitrag, den sie bei der BBC (in Englisch) veröffentlicht hat. Mögen es viele Menschen in Russland und die Benebelten hierzulande hören!

Schwachköpfe aller Länder, vereinigt euch #3

Frau Schwarzer sieht sich gerne als das Riot Girl in der Stadt, wobei sie für sich in Anspruch nimmt, eine „relative Pazifistin“ zu sein. Nun denn. Sie hat in einem ganzseitigen Interview im Stadtanzeiger vom vergangenen Samstag (21.5.22) einigen Unsinn verzapft, der kommentiert gehört.

Zunächst steht da die Erwartung, die sie der Ukraine aufgibt, sie möge mit Putin verhandeln. Wer sich ein bisschen historische Erinnerung bewahrt hat weiß, dass auch in den Abkommen Minsk I und Minsk II bereits mit Herrn Putin verhandelt wurde. Diese Abkommen waren – wie wir inzwischen alle wissen – das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden. Planvoll wurden Bürgermeister, die nicht den Separatistenregimen hörig waren, erschossen. Feuerüberfälle aus dem Separatistengebiet auf das Gebiet der Ukraine gehörten zum Alltag. Keiner sollte sich sicher fühlen.

In solch einer Situation aus hunderten Kilometern Entfernung Herrn Selensky zu Friedensgesprächen aufzufordern, ist so töricht wie verhängnisvoll. Man möge sich erinnern: sog. humanitäre Korridore, die es erlauben sollten, dass Zivilisten die Stadt Mariupul verlassen konnten, wurden immer wieder hintertrieben. Entweder wurden die Busse gar nicht erst in die vorgesehene Zone gelassen. Oder sie wurden beschossen. Auch dem gingen Verhandlungen voraus. Was wären dann Verhandlungen mit einem Soziopathen wie Putin zum jetzigen Zeitpunkt wert?

Vollends absurd wird es, wenn sich Frau Schwarzer mit Äußerlichkeiten von Herrn Selensky beschäftigt: „Ich sehe Selensky im olivgrünen T-Shirt mit muskelbepackten Oberarmen im TV mit dem immer gleichen Inhalt: Mehr Waffen!“ Fehlt hier der Zweireiher oder zumindest das weiße Oberhemd von Herrn Habeck? Ich fasse es nicht! Im übrigen: Womit anders als mit Waffen soll sich die Ukraine denn wehren? Sie hat sich 1994 die Atomwaffen abschwatzen lassen*, die ihr – das hören Pazifisten nicht gerne – einen Schutz gegen einen Eroberungskrieg gegeben hätte. Von daher ist der Westen nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich gefordert, die Ukraine in der jetzigen Situation nicht am langen Arm verhungern zu lassen. Rasche und wirksame Waffenlieferungen sind deswegen unumgänglich.

Herr Putin wird erst dann – so wäre meine Einschätzung – zu Verhandlungen bereit sein, wenn die wirtschaftliche und mititärische Lage im eigenen Land weiter Druck machen würde und ihm auf diesem Weg die Unterstützung der Bevölkerung entglitte. Es steht zu befürchten, dass es bis dahin noch einige Zeit dauert. Aus dem Westen moralisierende Werturteile über die Ukraine zu fällen, arbeitet nur Putin in die Hände. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Diese wilhelminische Parole wird auch nicht wahrer, wenn sie von wie immer gearteten vermeintlichen Friedensfreundinnen und -freunden hier bei uns die Politik diktiert. Klug und abwägend war dagegen die Entgegnung von Manfred Lütz auf Alice Schwarzer.

*Im Budapester Memorandum vom 5. Dezember 1994 wurde der Ukraine für den Verzicht auf Atomwaffen eine Sicherheitsgarantie (allerdings ohne Sanktionsbewehrung) von Russland und dem Westen zugesichert.

Zeigt der Schröder-Platzeck-Schwesig-Partei* die rote Karte

In 14 Tagen sind Landtagswahlen in NRW. Sie können und sollten auch als Rückmeldung dafür dienen, wie sich in den letzten Wochen das Handeln der rot-grün-gelben Bundespolitik dargestellt hat. Mein Augenmerk liegt dabei auf der größten Partei, die den Bundeskanzler stellt, der SPD.

Unter den Bedingungen des Angriffskrieges, den Russland seit dem 24.2.22 gegen die Ukraine führt, sind meines Erachtens drei Aspekte bedeutsam:

• In einer russland-freundlichen Haltung haben sich eine Reihe von SPD-Politikerinnen und -Politiker gegenseitig überboten: Die Phalanx reicht hier vom altersstarrsinnigen Gerhard Schröder („Putin…lupenreiner Demokratˮ), über die aktuelle Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig zum niedersächsischen Ministerpräsidenten Weil, um nur einige Namen aufzuzählen. Ihr Argument war eine Modifikation des alten Wandel-durch-Annäherung-Konzepts der 70er Jahre. Fahrlässig oder vorsätzlich wurde aber dabei übersehen, dass die Abnahme von Gas, Öl und Kohle aus Russland eine gefährliche Abhängigkeit und Erpressbarkeit durch diesen Staat nach sich zog. Polen, die baltischen Staaten und die Ukraine hatten vergeblich gewarnt.

• Diese Politik wurde beibehalten, obwohl Russland in Georgien (2008) und Moldawien (1992) beständig zündelte und mit der Krim-Besetzung 2015 und der Installation von Satelliten-Staaten im Donbas eklatante Völkerrechtsverletzungen beging. Auch der Umgang mit Oppositionellen in oder außerhalb Russlands wie im Fall Nawalny und Skripal hat zu wenig entschiedene Gegenwehr erzeugt. Die Fairness gebietet zu sagen, dass Frau Merkel in Punkto Energielieferung durch Russland wenig anders als die Mehrheits-SPD agierte.

• Der SPD sollte auch deswegen eine rote Karte gezeigt werden, weil Olaf Scholz in den letzten drei Monaten alles andere als souverän agierte. Er hat vielmehr immer nur das ins Werk gesetzt, was sich gar nicht mehr verhindern ließ. Er hat Deutschland damit innerhalb Europas ein ganzes Stück isoliert. Das als vorsichtige und weitsichtige Politik zu verkaufen, ist gewagt. Wer Freiheit bewahren und für zukünftige Generationen erhalten will, muss manchmal auch (vertretbare) Risiken eingehen und kann nicht den Hamburger Pfeffersack geben. Das haben die Grünen Baerbock, Habeck und andere deutlich anders angesprochen und politisch eine um so glaubwürdigere Figur abgegeben. Schwarz-Grün in NRW wäre von daher mein Lieblingswahlausgang.

*Nicht zu vergessen die Damen und Herren Esken, Fahimi, Hillu Schröder, Klingbeil, Saathoff, Schröder-Köpf, Schulz, Stegner, Steinmeier, Weil…

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