Vigil – spannende Mini-Serie auf arte

Loben bringt mehr als Sanktionieren. Alte Pädagogenweisheit. Hoffen wir mal, dass auch das Öffentlich-Rechtliche durch beständiges Loben und Hervorheben des Positiven den Anteil von gelungenen Filmproduktionen im Vergleich zu der schnarchlangweiligen Dauerkost steigert.

Heute gibt es eine spannende Serie von arte anzuzeigen, die dieser Sender von der bbc übernommen hat. Vigil spielt in Schottland auf einem U-Boot und – parallel zu der Haupthandlung – ebendort an Land. Amy, Ermittlerin, wird beauftragt, einen mysteriösen Todesfall an Bord eines Trident-U-Boots zu untersuchen. Sie muss dabei mit ihren Klaustrophobieattacken zurecht kommen, die auf einen familären Schicksalsschlag zurückgehen. Ihr gegenüber steht die rothaarige Kirsten. Beide Frauen sind oder waren ein Paar. Davon zeugt eine völlig unkitschig-schöne Liebesszene, die mit Musik von Novo Amor unterlegt ist. (Wer’s genau wissen will: Folge 4/6, etwa bei 48:26.) Auch eine Entdeckung.

Ansonsten lebt die Serie Vigil nicht nur von der besonderen Location eines U-Boots, sondern auch von den internationen Verwicklungen. Das U-Boot soll nämlich in jedem Fall unentdeckt bleiben vor den Nachstellungen russischer Boote, aber auch eines amerikanischen U-Boots. Daneben sind die Darstellerinnen hervorragend. Außer den beiden Frauen sind auch Garry Lewis (ein Wiedersehen nach Billy Elliot) und Paterson Joseph als Kapitän des U-Boots erwähnenswert.

In der Mediathek von arte noch eine Weile vorgehalten. Die Folgen 4 bis 6 werden in Kürze ausgestrahlt.

„Lieber Thomas“ – Film zu Thomas Brasch jetzt im Kino

Die Brüder Brasch – Thomas, Klaus, Peter

Zu den wenigen Dingen, die man an der DDR positiv hervorheben kann, gehören die Enfants terribles, die sie hervorgebracht hat. Der rotlackierte Obrigkeitsstaat hat eben einen enorm großen Widerstand im Namen von Selbstbestimmung und Freiheit verursacht. Namen, die mir hier einfallen: Volker Braun, Wolf Biermann, Florian Havemann, Sascha Anderson, Nina Hagen und sicher auch Thomas Brasch.

Diesem ist ein fulminanter Film gewidmet, der seit letztem Donnerstag in den Kinos läuft. „Lieber Thomas”, in sieben Kapitel gegliedert, vermittelt zunächst wichtige Stationen auf dem Weg des späteren Schriftstellers und Regisseurs. Einem braven Biopic entkommt der Film aber dadurch, dass Braschs Geschichte auf’s Engste mit deutscher Zeitgeschichte verschränkt ist. (Andreas Kilb hat in seiner Besprechung des Films in der FAZ daraus den entgegen gesetzten Vorwurf abgeleitet, dass der Film weder der privaten noch der öffentlichen Ebene gerecht werde.) Der Film zeigt Thomas zunächst in einer Kadettenanstalt, die er allerdings bald wieder verlassen darf. Hierfür sorgt sein Vater Horst Brasch, als stellvertretender Kultusminister hoch in der DDR-Nomenklatura angesiedelt. Vater Horst und Sohn Thomas erscheinen trotz des karriereabträglichen Endes dieser Schullaufbahn in dieser Phase als miteinander verbunden. Der Bruch mit der eigenen Herkunftsfamilie, beide Eltern als Juden und Kommunisten im englischen Exil gewesen, vollzieht sich erst später drastisch. Der Vater denunziert den Sohn bei den Staatsorganen wegen dessen Teilnahme an Protesten gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings. Thomas wird verhaftet und landet im Gefängnis. Kurze Zeit später wird er zur „Bewährung in der Produktion” entlassen.

Parallel hierzu entwickelt sich Thomas als fast schon besessener Schriftsteller. Das wilde Schreibmaschinengeklapper ist im Film der basso continuo seiner frühen Jahre und transportiert seine ungezügelte Energie. Dann greift die Zeitgeschichte ein zweites Mal machtvoll ein: Im November 1976 wird Wolf Biermann nach seinem Konzert in Köln die Staatsbürgerschaft der DDR entzogen. Die Proteste dagegen führen im Jahr 1976 schließlich dazu, dass Brasch im gleichen Jahr mit seiner Freundin Katharina Thalbach nach West-Deutschland ausreist. Dort hat er zwar seinen literarischen Durchbruch mit „Vor den Vätern sterben die Söhne” [sic!], ist aber – abgenabelt von der alten Umgebung – im Westen niemals heimisch geworden.

Der Film zollt mit seinen Schwarz-Weiß-Bildern dem bekanntesten Film von Brasch, „Engel aus Eisen” (1980) Tribut und überzeugt vor allen Dingen durch seine Darsteller und Darstellerinnen. Albrecht Schluch gibt einen Brasch, der als Wortberserker und Umgetriebener sich niemals mit Vorgefundenem anfreundet. Dieser Darsteller ist eine Wucht! Aber auch die anderen Akteure im Film halten da mit. Bemerkenswert ist ebenfalls die Filmmusik, die einen breiten Bogen von Bach über Cool Jazz bis Punk aufspannt. Unbedingt sehenswert.

Wer weitere Hintergründe der Familie Brasch kennenlernen möchte, kann auf Filmschnipsel seiner Schwester Marion Brasch zurückgreifen. Sie hat im Buch („Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie”) und in diversen Interviews Zeugnis von dieser besonderen Familiengeschichte gegeben.

P.S.: Ein spannendes Interview mit dem Regisseur Andreas Kleinert und eine Filmbesprechung in der taz.

Bis Mitternacht – Krimi-Kammerspiel auf höchstem Niveau

Vieles von dem, was einem in den öffentlichen Fernsehkanälen angeboten wird, taugt nur zum Abschalten. (Private stehen diesem „Qualitätsniveau“ in nichts nach.) Um so erfreulicher, wenn ein profilierter Regisseur wie Dominik Graf sich für einen Film gewinnen lässt wie zuletzt beim Polizeiruf 110 unter dem Titel „Bis Mitternacht“. Dieses Ergebnis lässt sich in jeder Hinsicht sehen.

Zum Hintergrund: Ein junger Mann wird von seinen Zwangsvorstellungen und sexuellen Begierden hin und her gerissen. Er ist schon einmal bei einem Mordfall in das Fadenkreuz der Ermittlungen der Kriminalpolizei geraten. Diese konnten jedoch nicht genügend Material zusammentragen, um ihm das Handwerk zu legen. Nach einem neuen Vergewaltigungs- und Mordversuch kann er festgesetzt werden. Auch dieses Mal steht es aber auf der Kippe, ob die Beweise für eine Untersuchungshaft ausreichen. Die beinharte Grenze für ein Verhör ist Mitternacht. Nach 24 Uhr muss der junge Mann freigelassen werden.

Wie die zunehmend verzweifelteren Versuche, den Mann zu einem Geständnis zu bewegen, ablaufen, wird überaus fesselnd erzählt. Dass die Handlung selten außerhalb des Verhörraums stattfindet, ist kein Manko, sondern äußerste Verdichtung. Zudem ist viel Gruppendynamik im Spiel: Frau gegen männerdomininiertes Umfeld, junge Einsteigerin gegen alten Hasen, Fragestrategien um einen sehr intelligenten Täter, die trotz des Drucks auch Menschenwürde und -rechte beachten müssen…

Der Film hat mich in seiner Zuspitzung auf die Schuld-Problematik an „Dead Man Walking“ erinnert. Große Kunst und überzeugende darstellerische Leistungen bei allen Rollen. Warum kommt Fernsehen so selten mit dieser Qualität??

Noch eine Weile hier zusehen. Unbedingt empfehlenswert!

 

Grüner wird’s nicht – Sommerkino in der Mediathek

Selten ist Fernsehen im Degeto-Format vergnüglich. Deshalb soll hier auf ein nettes und mit dem notwendigen Maß an Tiefgang versehenes „Roadmovie” hingewiesen werden. Schon als Qualitätsmerkmal kann man verbuchen, dass das 90-Minuten-Korsett abgelegt wird.

Überzeugend Elmar Wepper, eine vom Gaga-Sprößling zur warmherzigen jungen Frau mutierende Emma Bading und eine mit sprödem Charme versehene Dagmar Manzel. Noch eine Weile hier in der Mediathek zu sehen.

„Ein verborgenes Leben“ – Epos um katholischen Kriegsdienstverweigerer

Ich muss gestehen, August Diehl gehörte bislang nicht zu meinen Lieblingsschauspielern: irgendwie zu glatt sein ebenmäßiges Gesicht, die Rollen, die er spielte, blieben auch nicht im Gedächtnis pappen. Dass wird mir mit dem jüngsten Film, in dem er die Hauptrolle spielt, nicht passieren. Der von Terrence Malick – bekannt geworden durch Tree of life – gedrehte Film lässt ihn besonders in den zahlreichen Nahaufnahmen als einen bewegenden Charakterdarsteller erscheinen.

Worum geht es in diesem Film? Die katholische Kirche hat zwar wahrlich im 3. Reich keine Musterrolle abgegeben. Ihre Staatsferne hat aber – anders als bei den evangelischen Kirchen Deutschlands – unter dem Strich für eine größere Distanz zum Nazi-Reich gesorgt. Einige mutige Männer (Nikolaus Groß, Karl Leisner, Bernhard Lichtenberg, Rupert Mayer SJ, Maximilian Kolbe und Alfred Delp SJ) und Frauen (Edith Stein und Sophie Scholl) und eben der im Zentrum des Films stehende Franz Jägerstätter haben als Glaubenszeugen gegen den Nazi-Staat opponiert und dies mit dem Leben bezahlt. Was erzählt der Film über Franz Jägerstätter?

Schon die ersten Bilder entführen in eine idyllische Berglandschaft, in der die Grazer Alpen eine mal beeindruckende, mal drohende Kulisse schaffen. Franz liegt sorglos mit seiner Frau Fani auf einer Bergwiese und erfreut sich des Lebens. (Fani-Darstellerin Valerie Pachner steht übrigens kaum gegen August Diehl zurück.) Eine Rückblende zeigt, wie Franz mit einem Motorrad ins Dorf gelangt und bald bei einem Fest die junge Frau für sich gewinnen kann. In langen Passagen – der Film bringt es auf 174 Minuten – wird dann das weitere Leben entfaltet: Das eher beschwerliche Leben auf dem Bauernhof, die trotzdem unbeschwert heranwachsenden Töchter, die die Familie erweitern, eine Zeit beim Militär, in der Franz noch willig mit dem Bajonett Strohpuppen aufspießt. Erst beim Schwur auf dem Kasernenhof auf Adolf Hitler verweigert sich Jägerstätter, was aber zunächst ohne Folgen bleibt.

Als Hitlers Krieg beginnt, wird die Auseinandersetzung auch im fernen Dorf schärfer. Franz kann in das allgemein geäußerte Freund-Feind-Denken nicht einstimmen und wird in einer kriegsbejahenden Männerwelt zunehmend zum Außenseiter. Auch Prügel bleiben ihm nicht erspart. Weiter passiert aber zunächst einmal – nichts. Finanzielle Vergünstigungen, die Franz erhalten könnte, nimmt er aus Vorbehalten gegen den Nazi-Staat nicht an. Die Ablehnung der Familie im Dorf bekommen inzwischen auch die Frauen – die Schwester Fanis kommt hinzu – und Kinder zu spüren. Rückhalt dort erfährt der isolierte Franz beim Pfarrer (von Tobias Moretti gespielt), weniger beim Bischof, der klare Aussagen vermeidet. Den entschiedensten Beistand erfährt Franz aber in seiner Isolation durch seine Frau Fani: durch einen liebenden Blick oder eine zärtliche Geste.

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„Unschuldig“ – Fernsehen geht auch anders

Schlag 21.45 Uhr (manchmal auch Minuten früher) forderte unser Hund vernehmlich seinen letzten Pippi-Gang auf die Straße ein. Das sture Programmschema von ARD / ZDF mit 90-Minuten-Filmen hatte sich nach 15 Jahren in das Gehirn unseres Hundes geradezu eingefräst.

Um so erfreulicher, dass sich der gestrige Film „Unschuldig“ von diesem Kreativität und Schaulust einschränkenden Schema verabschiedete. Der mit bekannten Schauspielern (Felix Klar, Anna Loos) und weniger bekannten, aber überzeugenden Gesichtern (Britta Hammelstein, Sascha A. Geršak) besetzte Film wartete mit einer Laufzeit von 2 Stunden 54 Minuten auf. Diese beachtliche Zeit wurde genutzt, um die Charaktere sorgfältig zu entwickeln und die Ermittlungsarbeit der Kommissarin und ihrer Kollegen detailliert zu schildern. Nahaufnahmen der Gesichter setzten die zum Teil dramatischen Wendungen ins Bild.

Davon gerne mehr!

Link auf den Film in der ARD-Mediathek

Lenz – vom Wert der Pausen

Peter PankninEinen 30seitigen Text, bekannt als Büchners Lenz-Fragment, ohne Netz und doppelten Boden auf die Bühne zu bringen, verlangt nicht nur dem Publikum einiges an Konzentration ab. Er ist erst recht für den Aufführenden Schwerstarbeit – die sich aber nicht so anfühlen darf.

Christian Wirmer hat gestern an einem besonderen Ort, dem Kölner Baptisterium, vor ungefähr 40 Zuschauerinnen und Zuschauern diesen Parforceritt gewagt und viel verdienten Applaus geernet. Der Hintergrund dieses Stückes ist schnell erzählt: Der namengebende Sturm und Drang-Dichter J. M. R. Lenz kommt zu Beginn des Jahres 1778 zum Elsässer Pfarrer Oberlin und findet bei ihm in einer existenziellen Krise Unterschlupf. Hinter ihm liegt eine nicht erwiderte Liebschaft zu Friederike Brion – auch Goethe hatte um sie geworben – und Schwärmerei für die Goethe-Schwester Cornelia Schlosser. Auch der durch eine Eseley verursachte Rauswurf aus Weimar durch eben diesen Goethe, ihm war Lenz dorthin gefolgt, muss Lenz enorm gekränkt und im Mark getroffen haben. (mehr dazu unten)

Büchner, selbst eine tragische Figur der deutschen Literatur, hat aus einem von Oberlin verfassten Bericht und Bemerkungen in Goethes Autobiographie Dichtung und Wahrheit einen enorm dichten Text verfasst. Dieser beschreibt immer wieder die Empfindungen, die der psychotische Lenz beim Wandern im Gebirg’ erlebt, in eindrucksvollen und beklemmenden Bildern.

Am Himmel zogen graue Wolken, aber Alles so dicht, und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump. Er ging gleichgültig weiter, es lag ihm nicht’s am Weg, bald auf- bald abwärts. Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte.

Auch die Versuche, an den Alltag der Menschen um Oberlin herum Anschluss zu finden, sind von Büchner anrührend gestaltet. Sie gipfeln im Versuch von Lenz, ein kleines Mädchen in der Nachbarschaft vom Tode zu erwecken. Ein Unternehmen, das scheitern muss, und damit neue Verzweiflung erzeugt. Diese Unternehmung zeigt aber womöglich auch den gewagten Genie-Anspruch der Sturm und Drang-Dichter, der an der Wirklichkeit zerbrechen musste.

Wirmer gelang es gestern, diesen Text mit spärlich gesetzten Dramatisierungen und diesen klug gliedernden Pausen so zu vergegenwärtigen, dass alle bis zum Ende durchhielten. Dem Sog dieser Aufführung konnte sich offenbar niemand entziehen. Lang anhaltender Beifall und eine kurze Gelegenheit, das Erlebte zur Sprache zu bringen, rundeten den Abend ab. Für mich das beste an Theaterstücken, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Hut ab vor Christian Wirmer…

Dank auch an die Veranstalter Katholisches Bildungswerk, Melanchthon-Akademie und Domhütte, die mit Veranstaltungen im Baptisterium diesen besonderen Ort in den Köpfen der Kölnerinnen und Kölner verankern wollen.

J.M.R. Lenz – wenn Freiheitsideale und gesellschaftliche Wirklichkeit unvereinbar sind

„Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.“ (Gotthold Ephraim Lessing) – Mit diesem Satz aus der Emilia Galotti lässt sich treffend der überindividuelle Anteil an der Psychose von J. M. R. Lenz beschreiben. Gegen den Widerstand des Vaters hatte er 1771 sein Theologiestudium in Königsberg aufgegeben und war einem Brüderpaar von Kleist nach Straßburg gefolgt. Die Abhängigkeit eines Hofmeisters, als der Lenz den beiden gefolgt war, kann man sich kaum groß genug vorstellen. (Sie hat ihren Niederschlag übrigens auch in seinem gleichnamigen Theaterstück gefunden.) In Straßburg lernt Lenz Goethe kennen, der Fixstern, Nebenbuhler und Gegner für Lenz wird. Zunächst überwiegt aber noch die Harmonie: Im Sesenheimer Liederbuch, der von beiden geliebten Friederike Brion gewidmet, finden sich Gedichte beider und Literaturwissenschaftler späterer Generationen hatten Schwierigkeiten, wem welches Gedicht zuzuordnen ist. Goethe geht dann den pragmatischen Weg nach Weimar, wo er als Geheimer Rat und Schriftsteller reüssiert. Lenz, von diesem Modell angezogen, versucht sich auf dem gleichen Weg. Goethe lädt ihn im März 1776 nach Weimar ein, sorgt aber im Dezember des gleichen Jahres für die Ausweisung des früheren Freundes. Lenz hatte vermutlich ein Pasquille, ein Schmähgedicht, in Umlauf gebracht, das die noch ungesicherte Stellung Goethes am Hof bedrohte. Es folgen für Lenz Monate der Unsicherheit und manifester Krankheits- und Angstzustände in Deutschland, in der Schweiz und schließlich bei Oberlin im Elsaß. Der prekäre Aufenthalt in Deutschland endet 1779, als ihn ein Bruder abholt und ins ungeliebte Heimatland Lettland zurückbringt. Versuche, dort, in St. Petersburg oder in Moskau nicht nur beruflich neuen Boden unter die Füße zu bekommen, scheitern. Im Juni 1792 wird Lenz tot auf einer Moskauer Straße aufgefunden. Er wird zur tragischen Leitfigur einer Sturm und Drang-Bewegung, die sich das individuelle Fortkommen und die eigene Entfaltung auf die Fahnen geschrieben hatte. Sie scheiterte aber im Angesicht der festgefügten autoritären und einschränkenden Bedingungen der europäischen Gesellschaft des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Mehr zum Thema: Lenz’ Krankheit – eine Seminararbeit von mir