Westweg ü60

Wilde Rench oberhalb von Bad Peterstal

Es liegt jetzt ungefähr 40 Jahre zurück, dass ich bereits einmal auf dem Westweg im Schwarzwald unterwegs war. Ein freundlicher Porsche-Fahrer, der mich beim Trampen mitnahm, empfahl mir den Einstieg über das Bühler-Tal. In Erinnerung ist mir noch eine Übernachtung in Gernsbach. Die Wanderung nahm einen anderen Verlauf, als ich mich zwei jungen Frauen aus der Pfalz anschloss. Sie hatten ebenfalls vor, den Westweg zu laufen. Was mich aber von ihnen unterschied, war meine damalige mangelnde sportliche Kondition. Das vorgelegte Tempo der beiden war einfach zuviel. Nach drei, vier Tagen gab ich auf: Das Knie schmerzte stark (zu Hause als Chondropathia patellae diagnostiziert). Schweren Herzens verabschiedete ich mich und trampte nach Freiburg, wo ich auch eine nette Zeit hatte.

Dies im Hinterkopf habe ich meine jetzige Wanderung auf Teilen des Westweges entsprechend vorsichtig angelegt. Ich habe dieses Mal (mit der Bahn gut zu erreichen) den Einstieg über Bad Herrenalb gewählt. Mit den Stationen Enzklösterle (in Kaltenbronn waren noch alle Hotels geschlossen) – Forbach – Bühlertal – Mummelsee und (mit einigen per Bus zurücklegten Kilometern dazwischen) Bad Peterstal kamen Strecken von ungefähr 12 bis 25 Kilometern zu stande. Der Rückweg über Bad Peterstal war mit zweimaligem Umsteigen in Offenburg und Mannheim machbar.

Das Beglückende: keine Knieschmerzen, kein Fußweh, Anstrengung, die auch mal heftig war z.B. beim Anstieg von Forbach auf die Badener Höhe (ca. 600 Höhenmeter) – aber alles so, dass ich nie dauerhaft fertig war. Vielleicht hat sich das sportliche Training mit einer ordentlichen Portion Schwimmen und die Kompressionsstrümpfe und eine Kniebandage links gelohnt.

Teilweise gab es noch Schneereste, die auch schon mal sehr rutschig waren. Da war Vorsicht geboten. Am Abend dann gute Unterkünfte mit leckerem Essen. Die nächste Tour, vermutlich von Basel aus, ist schon anvisiert. Einige Fotos finden sich hier. Als kleiner Dank an die guten Quartiere und weil es nicht immer einfach war, überhaupt welche zu finden, hier ein kleiner Service-Teil zu diesen.

Meine Unterkünfte 
Bad Herrenalb: Hotel Kull von Schmidsfelden • Enzklösterle: 
Berghof - Gasthof & Pension • Forbach: Das Waldhaus • Bühlertal:
Edelfuchs-Lodge – sehr funktional und schlicht, mit toller Küche und Konzept • Mummelsee: Berghotel Mummelsee

Wanderer, kommst du nach…

Wanderhütte mit den Angeboten

Süchterscheid, so berichte den Dortigen…?!

Lassen wir das mit dem Bildungsgerümpel und noch mal in Prosa: Wandern überhaupt, also auch im Siegtal, macht Spaß, aber auch hungrig und durstig. Wer die Pfalz durchwandert, findet im 15-km-Abstand fast überall eine Hütte oder Gelegenheit zur Einkehr. So weit sind wir im Siegtal noch nicht.

Die Hütte (roter P.) befindet sich in westlicher Richtung auf dem Weg nach Blankenberg

Aber Süchterscheid! Der Bio-Laden Hüsgen hat es sich nicht nehmen lassen, für die bedürftigen Wanderer einen einladenden Rastplatz bereit zu stellen. Dieser langt allemal für den kleinen Durst und Hunger. Das Prinzip ist Freiwilligkeit: Jede und jeder bedient sich an heißem Wasser, Kaffee-Extrakt oder Tee und den leckeren Plätzchen und hinterlässt anschließend in der Porzellan-Spardose einen angemessenen Beitrag. Auch Getränke wie z.B. eine leckere Radler-Limonade stehen bereit.

Herzlichen Dank an den Bio-Laden Hüsgen.

Öffnungszeiten: Die Wanderhütte steht winters wie sommers am Wochenende mit den oben beschriebenen Angeboten zur Verfügung. Auch außerhalb dieser Zeit lassen sich die Sitzgelegenheiten in und vor der Hütte benutzen. In diesem Fall muss dann selbst etwas mitgebracht werden. Einkehrmöglichkeiten in der Nähe für den größeren Hunger finden sich in Süchterscheid direkt an der Kirche und in Blankenberg (Restaurant Zum Alten Turm, Haus Sonnenschein, Panorama Café).

gemeinsam #besserweiter

Ein paar Menschen gibt es offensichtlich in diesem Land, die immer mal wieder gute Ideen aushecken. Zu diesen Ideen gehörte für mich das BesserWeiter-Ticket, das die DB und andere Verkehrsbetriebe vom 13.9. bis zum 26.9.21 anboten. Mit Hilfe dieses Tickets war es möglich, in ganz Deutschland mit (fast) allen Verkehrsmitteln kostenlos rumzufahren. Ausgenommen waren ICEs und andere überregionale Züge. Voraussetzung für das Ticket: Ein Abo bei einem örtlichen Verkehrsbetrieb.

Mich hat diese Möglichkeit dazu inspiriert, das Main-Tal surfend zu erkunden. Sehr nett, Fotos hier. Meine Bereitschaft, das eigene Auto abzuschaffen, steigt kontinuierlich. Getränkekästen lassen sich auch anders heranschaffen.

Noch ein paar Wünsche für die Zukunft: bitte mehr Transparenz, in welchen Streckenabschnitten z.B. bei der Mittelrheinbahn das Ticket nicht gilt. Mehr Publicity für solch ein Ticket: Wir alle wollen doch den Individualverkehr vermindern.

Dreitälerweg Merten – Süchterscheid – Blankenberg

Manche Dinge liegen mehr oder weniger vor der Haustüre. Man muss sie allerdings wahrnehmen. Von daher ist die Covid-19-Zeit für mich nicht nur die Große-Gürtel-enger-schnallen-Zeit gewesen, sondern auch der Zugang zu Neuem.

Auf die Gefahr hin, demnächst (zu) viele Menschen auf diesem Weg zu finden, hier ein Plädoyer für den Dreitälerweg in der Siegregion. Dieser lässt sich mit der DB von Köln aus in 40 Minuten erreichen. Einstieg zum Wanderweg ist die Bahnstation Merten. Von dort geht es am ehemaligen Kloster vorbei und über die Siegbrücke zum Krabachtal (Tal #1). Der Weg folgt diesem Tal, bis die Zufahrt nach Süchterscheid gekreuzt wird. Über Süchterscheid (Einkehrmöglichkeit im Landhaus Süchterscheid, gegenüber der Kirche, oder in dem netterweise von dem Biobetrieb Hüsgen bereitgestellten “Wanderhüttchen”) wird das Ahrenbachtal (Tal #2) erreicht. Dieses ist der landschaftlich vielleicht schönste Teil der Strecke. Dieser führt zunächst sanft bergab, bevor er kurz vor Blankenberg wieder ansteigt. (dort vielfältige Einkehrmöglichkeiten). Der letzte Abschnitt erfolgt süd-östlich an der Stadtmauer Blankenbergs entlang talwärts zur Sieg (Tal #3) und zum Ausgangspunkt Merten zurück. Wer in Blankenberg schon genug gewandert ist, kürzt ab und benutzt schon in Blankenberg die Bahnstation. Die Züge von dort verkehren halbstündig und schnell sind Hennef, Siegburg oder Köln wieder erreicht.

Eine ausführliche Weg-Beschreibung mit gpx-Datei findet sich hier. Viele Fotos, die auf der Strecke entstanden sind, sind hier. Es gibt zwar auch eine Beschilderung des Weges, die einen aber an entscheidenden Stellen im Stich lassen kann. Mit Wander-Navi sind Sie jedenfalls auf der sicheren Seite! Die Gesamtstrecke (einschließlich Merten) wird mit 16,74 km angegeben.

Ohne die Rückkehr nach Merten lässt sich die Strecke in etwas mehr als 3 Stunden netto bewältigen. Viele Pflanzen, landschaftlich sehenswerte Streckenabschnitte, eine Wallfahrtskirche in Süchterscheid und die in den letzten Jahren herausgeputzte Burg in Blankenberg machen die Strecke vielseitig und attraktiv. Wer Glück hat, sieht auch die Roten Milane, die ich schon an verschiedenen Abschnitten der Strecke beobachten konnte.

Mainz & Blankenberg

Auch das noch: Fungie ist fort

Für 37 Jahre besaß das Städtchen Dingle auf der gleichnamigen Halbinsel eine verlässliche Attraktion: Der auf den Namen Fungie getaufte Delfin lebte ortsfest im großen Naturhafen von Dingle. Seit Mitte Oktober diesen Jahres gab es keine Sichtungen mehr des Delfins. Eine zuverlässige Erwerbsquelle für die Bootsführer einer Reihe von Schiffen ist weggefallen. Diese Menschen müssen sich nach etwas Neuem umsehen.

Auch wenn mir der Rummel um Fungie manchmal auf die Nerven ging (und erst recht vermutlich diesem Tier), war es doch schön, abends zum Leuchtturm zu gehen und einigermaßen zuverlässig Fungie vom Ufer aus beobachten zu können.

Vielleicht war für Fungie auch einfach nicht genug los, jetzt im Covid-19-Lockdown. Häufig lieferte er sich Wettrennen mit den Booten, die jetzt kaum noch ausfuhren. Zum Trost: Ortsfeste Delfin-Gruppen gibt es auch an der schottischen Küste im Moray Firth vor Inverness. Wir haben auch schon mal Delfine vor Ventry / Ceann Trá beobachtet. Die Welt hat es übrigens registriert, dass dieses besondere Tier sich verzogen hat oder tot ist: New York Times, BBC und die Irish Post berichteten.

„Den Bruder töten” – Klingenmünster & taz-Artikel

Die Behandlung psychisch Kranker im Dritten Reich ist ein Unrecht, das vielleicht noch länger verharmlost oder totgeschwiegen wurde als die Shoah. In Klingenmünster, wo wir gerade bei einer Wanderung an der dortigen Pfalzklinik vorbeikamen, hat es bis in die 90er Jahre gedauert, bis man sich der eigenen kriminellen Vergangenheit stellte. Inzwischen gibt es am dortigen Friedhof ein Denkmal und erklärende Infotafeln, die auf die Vernichtung von sogenanntem „unwerten Leben” hinweisen.

Unglaublich mutet es allerdings an, dass ein Mittäter der als „Aktion T4” organisierten Mordmaßnahmen später sogar als Klinikleiter fungierte. Es geht um Gerhart Mall, der von 1952 bis 1971 die Pfalzklinik leitete. In der „taz” hat am 6./7.12.1997 Hans-Joachim Lang unter dem Titel „Weggeworfen wie ein angebissener Apfel” dargestellt, wie der spätere Klinikleiter zuließ, dass sein eigener Bruder der Tötungsaktion in Grafeneck zugeführt werden konnte. Er hatte vorher versucht, den Bruder – mit weniger Aufsehen – in der Psychiatrie  Weissenau töten zu lassen.

Es gibt Dinge, die mich zumindest sprachlos zurücklassen…

Der beste Wanderhund ist tot

Noah, nicht nur mit biblischem Namen, sondern mit einem ebensolch biblischen Lebensalter versehen, hat uns vorletzten Sonntag verlassen. Wir trauern um einen Hund, der uns 15 1/2 Jahre begleitet und unser Leben bereichert hat. Es tröstet minimal, dass er nicht lange leiden musste.

Surfin’ the Oberallgäu #5 — Hochgrat – Scheidwang-Alm – Girenkopf/Heidenkopf – Balderschwang

Von der Bergstation der Hochgratbahn aus dem gut ausgeschilderten Weg zur Scheidwang-Alm folgen. Hinter der Scheidwang-Alm, in die man auch einkehren kann, den Hang über eine Weide in südlicher Richtung besteigen. Der Weg führt im Talkessel auf der linken Seite bergan, bis man den Kammweg erreicht (in der Karte als Oberallgäuer Rundwanderweg bezeichnet). Ich habe Heidenkopf und Girenkopf ausgelassen und bin über eine Weide (der Weg war nach Regenfällen zum Teil lehmig und glitschig) auf der gegenüberliegenden Seite Richtung Balderschwang abgestiegen. Eine kleine Gruppe von Pferden auf dem Weg habe ich möglichst großräumig umgangen. (Was weiß man schon über Pferde?). In Balderschwang im Tal angekommen, kann man den Bus Richtung Deutschland nehmen (nur einen oder zwei pro Tag) oder macht es wie ich per Anhalter. Nach kurzer Zeit war ich zurück in Weissach.

Wanderdauer: ca. 6 Stunden

DISCLAIMER: Beim Anstieg zwischen Girenkopf und Heidenkopf unbedingt dem ausgetrampelten Pfad auf der linken Seite des Talkessels folgen. Die Via Recta, die ich gewählt habe, hat mich ganz schön in Gefahr gebracht.

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