Imre Kertécs’ KZ-Roman: Schicksallosigkeit als Chiffre

Wir schreiben das Jahr 1944. Der Untergang Hitlers und seines Reiches zeichnet sich ab. Hitlers Schergen nehmen einen direkteren Zugriff auf das verbündete Ungarn: dadurch droht nun auch der jüdischen Bevölkerung Ungarns die Vernichtung. Das sind die Rahmenbedingungen für Kertécs’ Roman, den er ausdrücklich nicht als Autobiographie eingestuft wissen will.

Zum Roman: Györgi Köves, das erzählende Ich des Romans, wird im Sommer ’44 auf der Straße zusammen mit anderen Jungen aufgegriffen. Anfangs will er diesem Vorgang noch den Schein von Normalität geben. Der festnehmende Polizist hat für den Jungen – Kertécs und sein Alter Ego wurden mit 14 verhaftet – eher wohlwollende Züge. Erst als der Marsch aller festgesetzten Jugendlichen und Erwachsenen in eine Ziegelei erfolgt, wird der Zwangscharakter der Unternehmung und die Bedrohung deutlich.

Kertécs bleibt aber durchgängig bei der Perspektive des mit 14 Jahren noch naiven Jungen. Keine nachträgliche Reflektion bewertet aus der Rückschau die sich immer weiter zuspitzenden Ereignisse.

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MIQUA findet Unterschlupf im Kolumba

Ein Bauvorhaben in Köln sprengt mal wieder alle Planungsziele. Eigentlich war der Bezug des neuen, über der Mikwe und der archäologischen Zone in Rathausnähe errichteten Museums MIQUA für 2022 geplant. Um wieviel Jahre auch dieser schon nach hinten verschobene Bezugstermin gerissen wird, wissen die Götter.

Da es aber in diesem Jahr darum geht, an 1700 Jahre jüdischen Lebens in Köln zu erinnern, ist das Kolumba-Museum in die Bresche gesprungen. Dieses kleine feine Museum in der Kolumbastraße (Nähe Nord-Süd-Fahrt) hat zu diesem Zweck auch sein Ausstellungskonzept erweitert. Stand bislang die Kunst im Vordergrund, tritt jetzt explizit die Geschichte jüdischen Lebens in Köln als Ausstellungszweck hinzu. Zwei Ausstellungsstücke sind besonders spektakulär: Die Ausstellung enthält eine Replik eines Bildfrieses aus dem Titusbogen in Rom. Daneben ist auch bis zum 18.10.21 das Schriftstück zu sehen, das die 1700jährige Geschichte von jüdischem Leben in Köln nachweist. Ein Dekret von Kaiser Konstantin aus dem Jahr 321 ist glücklicherweise dadurch überliefert, dass im 6. Jahrhundert eine Abschrift für archivarische Zwecke der römischen Verwaltung angefertigt wurde.

Oft sind es aber auch die kleineren Ausstellungsstücke, die faszinieren: So steht zum Beispiel in einer Vitrine in Raum 10 ein Reliquienkreuz neben zwei silbernen Dosen. Beide haben wohl kultische Bedeutung, beide entstammen vermutlich verwandten Werkstätten. Sie werden damit zum Symbol eines zumindest partiell friedlichen Nebeneinanders von christlichem und jüdischen Leben in Deutschland.

Allen an Stadtgeschichte, jüdischer Geschichte und Kunst Interessierten ist die Ausstellung In die Weite nachdrücklich empfohlen. Vielleicht würde die Ausstellung noch breitere Kreise ansprechen, wenn die beiden Prunkstücke (Titusfries, Kaiserurkunde) ein wenig medial aufbereitet würden. Für nachdrücklich Interessierte liefert das kleine blaue Ausstellungsbüchlein die nötigen Informationen. Ausstellung bis zum 15.8.2022.

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