Tipps zu Recherche-Arbeiten bei T4-Ermordeten?

Die Mitteilung an die Mutter des Ermordeten

Ein Verwandter von mir wurde im Februar 1941 in Hadamar im Rahmen der sogenannten T4-Aktion hingerichtet. Er wurde im Jahr 1907 im Westerwald geboren. T4 stand übrigens für die Berliner Tiergartenstraße 4, unter deren Adresse die reichsweit angelegten Tötungsaktionen organisiert wurden.

Das Schema, das in Hadamar verfolgt wurde, sah so aus: Die dorthin Verfrachteten wurden gleich bei ihrer Ankunft untersucht, um die später vorgegebene angebliche Todesursache halbwegs stimmig klingen zu lassen. Anschließend wurden sie in Gaskammern geführt, ermordet und zum Schluss in Krematorien verbrannt. Die Angehörigen erhielten einen nichtssagenden Brief mit einer erfundenen Todesursache.

Glücklicherweise sind auch diese Ermordeten inzwischen als Opfer anerkannt und werden erinnert. Für meinen Verwandten soll in seiner Heimatgemeinde in diesem Sinne ein Stolperstein verlegt werden.

Was mir und uns vor dieser Gedenkaktion noch fehlt sind Hinweise, wie sich der Aufenthalt des Verwandten vor seiner Hinrichtung nachweisen lässt. Er hat zu dieser Zeit in einem Kloster im Westerwald als Gärtner gearbeitet. Möglicherweise lässt sich dieser Raum sogar auf den Umkreis von Montabaur eingrenzen. Vier Klöster in diesem Raum habe ich bereits angeschrieben, ohne bislang aussichtsreiche Informationen erhalten zu haben.

Da ich nicht der Erste bin, der so eine Recherche-Arbeit angeht, hoffe ich von den Erfahrungen anderer profitieren zu können. Meine Fragen dazu:

• Ist es aussichtsreich, irgendwo Meldeunterlagen aus der Zeit von 1921 bis 1941 greifen zu können? Falls ja, wo werden diese vorgehalten?
• Sind Schulabschlüsse und Schulaufenthalte in der Regel erfasst? Ich habe eine Schule aus dem fraglichen Raum angeschrieben, um Vorgängerschulen zu ermitteln. Wo wären dann, wenn die Schule des Verwandten nicht mehr existiert, möglicherweise vorhandene Unterlagen weitergereicht worden?
• Wie weit hat Sozialversicherung auch Leute erfasst, die in einem Kloster gearbeitet haben? Wo sind aus damaliger Zeit vielleicht vorhandene Unterlagen heute zugreifbar?
• Die Nazi-Tötungsmaschinerie ließ es sich nicht nehmen, auch noch über die Ermordeten peinlich genau Buch zu führen. Sind weitere Unterlagen außer diesen Briefen nach vollzogener Ermordung in Hadamar zu erwarten?

Über Hinweise, auch Literaturhinweise, wie sich weitere Informationen beschaffen lassen, würde ich mich sehr freuen. Hierzu ließe sich die Kommentarfunktion meines Blogs benutzen oder die Email-Adresse “hennef_mann(at)gmx.de”.

Holocaust-Gedenktag

Schön ist es nicht, an das heute erinnert werden muss: Am 27.1.1945 erreichten russische Truppen das Vernichtungslager Auschwitz und konnten zumindest einige wenige Jüdinnen und Juden vor der Vernichtung bewahren. Es ist aber konstitutiv für die Bundesrepublik Deutschland, dass dieser beispiellose Genozid nicht relativiert oder sogar als Fliegenschiss in der deutschen Geschichte (Gauland, AfD) verharmlost wird, sondern erinnert wird. Das soll kein weiteres mal geschehen, weder hier noch sonstwo.

Erfreulich, dass auf meiner Straße in Köln-Ehrenfeld heute jemand den Stolperstein poliert hatte und eine Rose und eine Kerze zur Erinnerung gefunden hatte.

Im Bundestag erinnerten eine sehr alte Jüdin und eine sehr junge an dieses Ereignis: Charlotte Knobloch und Marina Weisband. Jüdische Menschen verwenden übrigens eher den Begriff Shoah.

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