Ein Bauvorhaben in Köln sprengt mal wieder alle Planungsziele. Eigentlich war der Bezug des neuen, über der Mikwe und der archäologischen Zone in Rathausnähe errichteten Museums MIQUA für 2022 geplant. Um wieviel Jahre auch dieser schon nach hinten verschobene Bezugstermin gerissen wird, wissen die Götter.
Da es aber in diesem Jahr darum geht, an 1700 Jahre jüdischen Lebens in Köln zu erinnern, ist das Kolumba-Museum in die Bresche gesprungen. Dieses kleine feine Museum in der Kolumbastraße (Nähe Nord-Süd-Fahrt) hat zu diesem Zweck auch sein Ausstellungskonzept erweitert. Stand bislang die Kunst im Vordergrund, tritt jetzt explizit die Geschichte jüdischen Lebens in Köln als Ausstellungszweck hinzu. Zwei Ausstellungsstücke sind besonders spektakulär: Die Ausstellung enthält eine Replik eines Bildfrieses aus dem Titusbogen in Rom. Daneben ist auch bis zum 18.10.21 das Schriftstück zu sehen, das die 1700jährige Geschichte von jüdischem Leben in Köln nachweist. Ein Dekret von Kaiser Konstantin aus dem Jahr 321 ist glücklicherweise dadurch überliefert, dass im 6. Jahrhundert eine Abschrift für archivarische Zwecke der römischen Verwaltung angefertigt wurde.
Oft sind es aber auch die kleineren Ausstellungsstücke, die faszinieren: So steht zum Beispiel in einer Vitrine in Raum 10 ein Reliquienkreuz neben zwei silbernen Dosen. Beide haben wohl kultische Bedeutung, beide entstammen vermutlich verwandten Werkstätten. Sie werden damit zum Symbol eines zumindest partiell friedlichen Nebeneinanders von christlichem und jüdischen Leben in Deutschland.
Allen an Stadtgeschichte, jüdischer Geschichte und Kunst Interessierten ist die Ausstellung In die Weite nachdrücklich empfohlen. Vielleicht würde die Ausstellung noch breitere Kreise ansprechen, wenn die beiden Prunkstücke (Titusfries, Kaiserurkunde) ein wenig medial aufbereitet würden. Für nachdrücklich Interessierte liefert das kleine blaue Ausstellungsbüchlein die nötigen Informationen. Ausstellung bis zum 15.8.2022.


Was richten 1 3/4 deutsche Diktaturen in den Köpfen der ihnen Unterworfenen an? Wie wirken sich solche über Jahrzehnte und Generationen anhaltenden Repressionserfahrungen vor allen Dingen auf das Binnenklima in den Familien aus? Das könnte man als Ausgangsfragen für Geipels Buch Umkämpfte Zone formulieren.
Die Causa Woelki, von der alle wissen, nur deren Namensgeber nicht, kommt aus der Sommerpause. Erzbischof Woelki tut so, als sei mit der verspäteten Veröffentlichung des zweiten Gutachtens zum Thema „Sexualisierte Gewalt” alles Nötige gesagt. Dieses Gutachten hat aber nie zum Inhalt gehabt, dass Woelki lange Jahre im System Meisner durch die Funktion eines Privatsekretärs fest verankert war. Auch die Verbindung zu seinem Düsseldorfer Mentor O., den nur seine Demenz davor bewahrt hat, sich für seine Verbrechen verantworten zu müssen, ist im Gutachten nur gestreift. Woelki sieht sich wieder mit Oberwasser unterwegs, nachdem er im Ahrtal mit angefasst hat. Er schreibt sogar von „Hunderten Briefen”, die ihn zum Ausharren auf seinem Posten ermutigt hätten.
Die Ähnlichkeit ist unverkennbar: Sie sind groß, hohl, so windschlüpfrig wie eine Betonmauer, viel umbauter Raum eben. Die Süddeutsche schrieb letztens, dass offenbar das Design der SUVs darauf angelegt sei, in ihnen aufrecht stehen zu können. (Der aufrechte Gang wird – wenn überhaupt – wahrscheinlich nur dort praktiziert.) Und „Schon eure zahl ist frevel? (Stefan George): Ein großer Teil (~ 1/3) der ausgelieferten Fahrzeuge europäischer Autoproduzenten fällt mittlerweise in diese Kategorie.
Es geht ein Ruf wie Donnerhall. Nun Donnerhall?? Da sei Gott vor. Sagen wir besser: Es geht ein Ruf mit unablässigem Gesäusel: Sei achtsam, Achtsamkeit, ACHTSAMKEIT herrgottsakramentnochmal. Keine Minute ohne Achtsamkeit, achtsam hier, achtsam dort. Zeitung lesen und Brötchen essen?? Igitt, wie unachtsam ist das denn! Du nimmst ja das Weizenkorn und alle anderen Zutaten im Brötchen nicht wahr und ernst. Hinter allem ein Ruf zu Single-Tasking, eins hinter dem anderen. Multitasking ist für die Dumpfbacken und grobschlächtige wie grobstoffliche Zeitgenossen. Auch Anerkennung für das gegenwärtig Vorhandene und Respekt vor aller Kreatur werden mit dem Begriff Achtsamkeit eingefordert. An dieser Stelle lässt sich allerdings kaum widersprechen.

Die Ostermärsche, denen ich mich als Student häufiger anschloss, liegen gerade erst 2 1/2 Wochen zurück. Wenn ich nichts übersehen habe, hat man sich bei ihnen nirgendwo damit beschäftigt, welche Drohkulisse von russischer Seite im Gebiet Donezk und Luhansk aktuell aufgebaut wird. Über 100.000 Soldaten und zahlreiche Panzer sind eine sehr eindeutige Drohgeste. Sie lassen vermuten, dass nur ein Anlass für eine weitere Aggression auf das Gebiet der Ukraine geplant ist. Ein Sender Gleiwitz lässt sich sicher finden…