Alternativ-Sein schützt nicht vor Hirnschädigung – oder ist das zu hart formuliert?

Ja, es gibt nachweislich Leute, die nach einer Covid-Schutzimpfung gestorben sind. Deren Prozentzahl bewegt sich im Bereich von kleinen Bruchteilen eines Promills. Auch deren Tod gehört beklagt.

Diese Meinungsäußerung aus Schablone und Sprühdose fand ich in der Marienstraße, bei mir um die Ecke. Für mich spricht die Form der Meinungsäußerung für alternatives Milieu.

Wer sich darüber aber über die inzwischen 91.679 Todesfälle durch Covid-19 (Stand 3.8.21, 13 Uhr, Quelle: RKI) hinwegsetzt, muss sich ernstlich nach seiner / ihrer Tauglichkeit für einen vernunft- und evidenzbasierten Diskurs fragen lassen.

Gleiches gilt für eine Klage über die Corona-Diktatur, die sich am Ende meiner Straße Richtung Vogelsanger Straße finden lässt. Macht mich einfach nur baff…

 

Dreitälerweg Merten – Süchterscheid – Blankenberg

Manche Dinge liegen mehr oder weniger vor der Haustüre. Man muss sie allerdings wahrnehmen. Von daher ist die Covid-19-Zeit für mich nicht nur die Große-Gürtel-enger-schnallen-Zeit gewesen, sondern auch der Zugang zu Neuem.

Auf die Gefahr hin, demnächst (zu) viele Menschen auf diesem Weg zu finden, hier ein Plädoyer für den Dreitälerweg in der Siegregion. Dieser lässt sich mit der DB von Köln aus in 40 Minuten erreichen. Einstieg zum Wanderweg ist die Bahnstation Merten. Von dort geht es am ehemaligen Kloster vorbei und über die Siegbrücke zum Krabachtal (Tal #1). Der Weg folgt diesem Tal, bis die Zufahrt nach Süchterscheid gekreuzt wird. Über Süchterscheid (Einkehrmöglichkeit im Landhaus Süchterscheid, gegenüber der Kirche, oder in dem netterweise von dem Biobetrieb Hüsgen bereitgestellten “Wanderhüttchen”) wird das Ahrenbachtal (Tal #2) erreicht. Dieses ist der landschaftlich vielleicht schönste Teil der Strecke. Dieser führt zunächst sanft bergab, bevor er kurz vor Blankenberg wieder ansteigt. (dort vielfältige Einkehrmöglichkeiten). Der letzte Abschnitt erfolgt süd-östlich an der Stadtmauer Blankenbergs entlang talwärts zur Sieg (Tal #3) und zum Ausgangspunkt Merten zurück. Wer in Blankenberg schon genug gewandert ist, kürzt ab und benutzt schon in Blankenberg die Bahnstation. Die Züge von dort verkehren halbstündig und schnell sind Hennef, Siegburg oder Köln wieder erreicht.

Eine ausführliche Weg-Beschreibung mit gpx-Datei findet sich hier. Viele Fotos, die auf der Strecke entstanden sind, sind hier. Es gibt zwar auch eine Beschilderung des Weges, die einen aber an entscheidenden Stellen im Stich lassen kann. Mit Wander-Navi sind Sie jedenfalls auf der sicheren Seite! Die Gesamtstrecke (einschließlich Merten) wird mit 16,74 km angegeben.

Ohne die Rückkehr nach Merten lässt sich die Strecke in etwas mehr als 3 Stunden netto bewältigen. Viele Pflanzen, landschaftlich sehenswerte Streckenabschnitte, eine Wallfahrtskirche in Süchterscheid und die in den letzten Jahren herausgeputzte Burg in Blankenberg machen die Strecke vielseitig und attraktiv. Wer Glück hat, sieht auch die Roten Milane, die ich schon an verschiedenen Abschnitten der Strecke beobachten konnte.

Gendern Sie schon oder haben Sie sich ästhetischen Geschmack bewahrt?

In der Sache gibt es wenig zu deuteln: Sprache schafft Wirklichkeit. Wenn Frauen in Texten nicht explizit angesprochen werden und unter das in der Regel generische Maskulinum subsummiert werden, drohen sie aus der Wahrnehmung zu verschwinden. Soweit d’accord.

Die Versuche, in Zeitungen und anderen Texten dem etwas entgegen zu setzen, muten aber umständlich, ästhetisch wenig befriedigend (das ließe sich deutlicher formulieren) und von einer neuen Pedanterie besessen an. Dabei ist es fast gleichgültig, ob Frauen mit einem Binnen-I, dem Gendersternchen * oder – besonders hässlich – mit einem Doppelpunkt : einbezogen werden sollen. Sprache sollte nach meiner Vorstellung schlank sein und mit wenig Redundanzen auskommen. Die Täter:innen oder TäterInnen tragen dazu nichts bei. Es bleibt aber nicht bei typographischen Monstern, manchmal muss es auch die Schwänin oder die Gästin sein.

Ganz dankbar bin ich Elke Heidenreich, die sich gerade im Kölner Stadtanzeiger gegen angeblich gendergerechte Sprache eingesetzt hat. Vorschlag zur Güte: Alle 5 Jahre wechseln die generischen Ausdrücke: In den ersten fünf Jahren müssten sich bei dem Wort Ärztinnen auch die männlichen Ärzte mitangesprochen fühlen. Im zweiten Fünf-Jahres-Zeitraum wären bei den Taxifahrern auch die Taxifahrerinnen mitgemeint. Meinetwegen per Empfehlung (nicht: Erlass) durch die Kultusministerien geregelt.

Beispiel aus der taz

Ganz tief ins Klo gegriffen

Lieber Jan-Josef Liefers,

Sie haben offenbar den Versuch unternommen, die Borniertheit und Blasiertheit Ihrer Filmfigur Professor Boerne zu übertreffen. Ich kann feststellen, das ist Ihnen vorzüglich geglückt. Chapeau!

Was mich wundert ist, dass Sie bei der großen Demonstration am 4. November 1989 in Berlin nach meiner Erinnerung ganz vernünftige Sachen gesagt haben. Das waren aber wohl bloße Jugendsünden. Vielleicht sollten Sie Ihren Horizont auch mal ein wenig weiten, indem Sie sich eine Dokumentation zum Klinikalltag in der Charité in ihrem Kampf gegen Covid-19 ansehen. Wenn das nicht hilft, wäre sicher ein 5-Tage-Praktikum in einem beliebigen Krankenhaus mit Pfanne-Schieben und Urin-Flaschen-Leeren von Nutzen. Seien Sie versichert, das erdet.

Vielleicht fällt es anschließend schwerer, so selbstgerecht und scheinbar über das Parteiengezänk erhaben sich die bundesrepublikanische Welt zurecht zu machen. Beim nächsten Mal bitte erst nachdenken, dann quatschen.

freundliche Grüße

G. Jünger

Auch USA sprechen von „Genozid“

File source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Den_armenske_leder_Papasian_ved_Der-ez-Zor_-_PA_0699_U_36_150.jpg

Was Juden der 27. Januar ist, bedeutet der 24. April für Armenier: die Erinnerung an den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts in den Jahren 1915 bis 1916. Diesem fielen zwischen 1,1 bis 1,6 Millionen Armenier zum Opfer. Wer nicht vor Ort erschlagen wurde, starb auf dem Weg in die syrische Wüste oder wurde zwangsassimiliert. Armenier nennen den Vorgang Aghet. Das Ganze geschah im sich auflösenden ottomanischen Reich, der heutigen Türkel.

Wenn dieser Vorgang vom Präsidenten der USA, Joe Biden, als Genozid bewertet wird, wird der versuchten Geschichtsrevision durch die Türkei deutlich widersprochen. Diese weist bis auf den heutigen Tag jegliche Mitverantwortung für dieses Verbrechen zurück.

Die Ukraine verdient ein deutliches Votum des Westens

Die Ostermärsche, denen ich mich als Student häufiger anschloss, liegen gerade erst 2 1/2 Wochen zurück. Wenn ich nichts übersehen habe, hat man sich bei ihnen nirgendwo damit beschäftigt, welche Drohkulisse von russischer Seite im Gebiet Donezk und Luhansk aktuell aufgebaut wird. Über 100.000 Soldaten und zahlreiche Panzer sind eine sehr eindeutige Drohgeste. Sie lassen vermuten, dass nur ein Anlass für eine weitere Aggression auf das Gebiet der Ukraine geplant ist. Ein Sender Gleiwitz lässt sich sicher finden…

Auch wenn es nur wenige hören wollen: Es wird Zeit, dass sich die NATO / der Westen eindeutig zur territorialen Unverletzlichkeit der Ukraine bekennt. Wenn es sein muss – und ein deutliches Zeichen könnte Herrn Putin tatsächlich beeindrucken –, muss dieses Zeichen auch die Mitgliedschaft in der NATO einschließen.

Wer schon etwas betagter ist wie ich, wird sich noch an die Situation in den baltischen Staaten in den 90er Jahre erinnern. Die von russischer Seite unterstützten Unruhen dort, die durchaus die Unabhängigkeit dieser Staaten bedrohten, fanden erst dann ein Ende, als schließlich alle drei baltischen Staaten Mitglied der NATO wurden.

Die Bereitschaft des Westens, sich für Demokratie, Menschenrechte und Souveränität einzusetzen, darf nicht deswegen für die Ukraine fehlen, weil sie sich weiter östlich befindet. Die NATO ist kein Angriffsbündnis und hat – die Luftschläge gegen Serbien ausgenommen* – keine Liste von Ländern aufzuweisen, in die einmarschiert oder die politisch „befriedet” wurden: DDR 1953, Ungarn und Polen 1956, CSSR 1968, Krim-Besetzung 2014…

Ein weiterer Punkt, der Instabilität verheißt: Putin sieht sich im Fall Nawalny zunehmenden Protesten im Inneren gegenüber. Ein beliebtes Mittel von Autokraten wäre ein außenpolitisches Abenteuer, um von der innenpolitischen Malaise abzulenken.

PS 24.4.21: Eine gewisse Erleichterung werden wahrscheinlich die meisten gespürt haben, als ein Abzug der russischen Manövertruppen aus unmittelbarer Grenznähe zur Ukraine angekündigt wurde. Dieser Vorgang kann aber Teil der maskerova, der planmäßigen Verwirrung und des planmäßigen Betrugs der gegnerischen Kräfte sein, die Teil der sowjetisch-russischen Militärdoktrin ist. Gucken wir also weiterhin genau hin.

*Diesen ging die Ermordung von über 8.000 muslimischen Männern in Srebrenica voraus.

Buddha in Bad Dürkheim

Wer auf der Suche nach einem Feriendomizil in der Pfalz eine ganze Zahl von Wohnungen besichtigt hat, kommt um eine Erfahrung nicht herum: Statt Kruxifix im Eingangsbereich oder Engel über dem Ehebett gibt es nicht selten Buddha-Abbildungen oder -Figuren zu sehen. An einer nicht unwichtigen Stelle hat sich offenbar für viele etwas deutlich geändert: Traditionelle Orientierung am Christentum raus, fernöstliche Buddha-Optik (oder mehr?) rein.

Was bringt Leute dazu – habe ich mich gefragt – sich zumindest äußerlich dieser Weltanschauung zuzuwenden? Dass sie eine honette Religion (Heinrich Heine) sei, lässt sich übrigens bezweifeln, da sie keinen transzendentalen Gott kennt.

Auf der Suche nach Antworten lässt sich Verschiedenes erwägen. Die erste Antwort ist vermutlich eine negative Bestimmung. Die Imprägnierung durch ein auch kulturell und gesellschaftlich etabliertes und damit sichtbares Christentum ist für viele Menschen ausgeblichen. Was nützen die Kirchtürme und das Glockenläuten oder die Heiligenbilder bei der Oma, wenn das gelebte Christentum nur an wenigen Stellen und durch wenige glaubhafte Leute beeindruckt? Christentum hat es dazu noch schwer – ein selbst gemachtes Problem – durch den Skandal um sexualisierte Gewalt positiv zu erscheinen. Das alles hinterlässt eine Leerstelle, wenn Krankheit oder Wissen um die eigene Endlichkeit, auch Kontingenzerfahrung genannt, bohren.

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Danke, Herr Draghi

Appeasement-Politik ist bislang eigentlich immer gründlich in die Hose gegangen. Dazu braucht einem nur Hitler und München 1938 einzufallen oder der Umgang mit Stalin in seiner kompletten Regierungszeit. Von daher hat es schon Aufsehen erregt, dass Mario Draghi am letzten Donnerstag Erdogan ausdrücklich einen „Diktator“ nannte. Das dieser Begriff ins Schwarze trifft, lässt sich leicht zeigen:

• Jede und jeder in der Türkei, der seine Alleinherrschaft in Frage stellt, kann darauf rechnen, als „Terrorist“ bezeichnet zu werden. So eine Zuschreibung macht dann auch vor einem ausgesprochen friedlichen und sanften Herrn Kavala nicht halt. Dass dieser sich nur für Menschenrechte, Kultur und Ausgleich einsetzt, ist völlig unerheblich.
• Wahlen sind nur in soweit zu beachten, wie sie in Erdogans Kalkül passen. Dass die Bürgermeisterwahl in Istanbul auch nach deren Wiederholung ein 2. Mal verloren ging, ist die die Regel bestätigende Ausnahme.
• Um die Ultranationalisten der MDP zu bezirzen, hat Erdogang kürzlich veranlasst, dass die Istanbul Convention zum Schutz von Frauenrechten verlassen wurde. Wenn in der Türkei es noch eines Beweises für den Sinn dieser Schutzkonvention bedurft hätte, hätte ein Blick auf die 470 im Jahr 2019 ermordeten Frauen gereicht. Patriarchale Empfindlichkeiten lassen aber eine solche Konvention nicht zu.
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Mainz & Blankenberg