Mit viel pseudo-staatsmännischem Gehabe ist also der aktuelle Jungspund der FDP, Christian Lindner, gestern Nacht vor die Presse getreten und hat diesen Satz rausgehauen: „Wir werden unsere Wähler nicht im Stich lassen, indem wir eine Politik mittragen, von der wir nicht überzeugt sind.? Entschuldigung, worum geht es noch mal bei Politik? In Auseinandersetzung mit anderen politischen Kräften versucht jeder, soviel von seiner Programmatik umzusetzen, wie möglich (legitim). Aber selbst FDP-Wählerinnen und -Wählern ist sonnenklar, dass dies eben nicht die komplette Umsetzung der jeweils eigenen Parteiprogrammatik in ein Regierungsprogramm sein kann. Die FDP hatte immerhin mit CDU und CSU zwei Parteien an ihrer Seite, mit denen es in der Vergangenheit und auch in der aktuellen Programmatik immer eine beachtliche Schnittmenge gegeben hat. Es ehrt hier die Grünen, dass sie wohlabgewogen viel Flexibilität zugunsten einer Regierungsbildung aufgebracht haben, und nicht – wie manche im vorhinein vielleicht geunkt hätten – die Sollbruchstelle in diesen Sondierungsgesprächen gebildet haben.
Vieles im Verlauf der immerhin mehr als sechswöchigen Gespräche spricht dafür, dass von Seiten der FDP nie ernsthaft geplant war (oder nur zum Preis der Selbstaufgabe der anderen Parteien), in eine gemeinsame Regierung einzutreten. So hat die FDP in Fragen der Zuwanderung ausgerechnet dann, wenn die CSU sich ein wenig bewegt hat, wieder die alten Positionen dieser Partei übernommen.
Die Zeiten, in denen die FDP von honorigen Leuten wie Gerhard Baum, Ralf Dahrendorf, Hildegard Hamm-Brücher oder Burkhard Hirsch vertreten wurde, sind offenbar endgültig vorbei und werden nicht wiederkehren. Hoffen wir, dass die Wählerinnen und Wähler bei der nächsten Wahl den selbstbezogenen Karrieristen der FDP eine gründliche Abfuhr erteilen und die FDP wieder in den sicheren Hafen der Bedeutungslosigkeit (was spricht gegen 4 %?) einkehren lassen.



Passiert mindestens fünfmal pro Woche, dass einer meiner Schüler seiner Aussage Nachdruck verleihen will, indem er ein ich schwöre anhängt. Je nach Stimmung sage ich Ich glaube dir auch so oder wir schwören hier nur vor Gericht. Ich würde meine Hauptschüler beleidigen, sie mit dem amerikanischen Amtsinhaber zu vergleichen, dennoch: Wenn Fuck&Fake-Trump jetzt mit großer Emphase unaufgefordert deklamiert, dass er die Aussagen Comeys vor dem Untersuchungsausschuss unter Eid und zu
Nicht einmal entgegengesetzte Stimmen im eigenen Lager und der eigenen Familie konnten Trump davon abbringen, sein America-First-Mantra auch gegen das Pariser Klimaschutzabkommen in Stellung zu bringen. Geradezu als Frechheit mutet die Erwartung an, das unter großen Mühen geschnürte Verhandlungspaket neu aufzurollen und nach amerikanischen Vorgaben neu zu verhandeln. Von so wichtigen Grundsätzen wie Pacta sunt servanda (Verträge müssen geschützt werden), die seit 2000 Jahren gelten, geht Soziopath Trump einfach mal ab.
Kölner singen im Karneval Einmol Prinz ze sin in Kölle am Ring (für Nicht-Rheinländer: Einmal Prinz sein in Köln am Rhein). Damit ist das heimliche Ziel vieler Kölner (Männer) benannt, einmal während des Karnevals vom 11. November bis in den Februar hinein die Repräsentationsfigur des kölschen Karnevals zu sein. Für drei Monate ist dies der Freifahrtschein – außerhalb des normalen Alltagslebens mit seinen Verpflichtungen – seinen Narzissmus, geschäftliche Kontakte und — wenn es gut geht — ein Stück Lebensfreude hemmungslos zu pflegen und zu feiern. Vom Rolleninhaber Donald Trump zum Kölner Prinzen ist es also, wie man sieht (Lebensfreude mal ausgenommen), nur ein kleiner Sprung. Auch wenn die drei Monate Prinzen/Präsidentschaft schon überschritten sind, hätte die Knallcharge Trump mit einem Impeachment doch noch als eine Art Prinz Karneval einen versöhnlichen Abgang nehmen können.
