Abschied von der Zeitung

Seit dem zwölften Lebensjahr lese ich regelmäßig Tageszeitungen: Am Anfang war es die FAZ: gerne auch mal eine Stunde lang, das brachte Anerkennung für Allgemeinwissen, vielleicht auch eine Strategie, die Pubertät zu überstehen. In der Studienzeit leisteten wir uns in der WG die Frankfurter Rundschau, damals noch ein profiliertes Blatt, das mit einem Lokalteil wichtige Informationen zu einem der Zentren der Studentenbewegung lieferte. Nachdem Autonome die Lokalredaktion der taz in Hamburg verwüstet hatten, wechselten wir dann zur taz. Die war zwar dünn, betrat aber in vielen Bereichen journalistisches Neuland: neuartige, kesse Überschriften („Kahn passieren“ zu einem verlorenen Weltmeisterschaftsspiel) und ein Experimentier- und Probierfeld für Vieles. Sie druckte auch einige wenige Texte von mir ab, was mich damals mit Stolz erfüllte. Als mir das Christen-Bashing irgendwann reichte, sattelte ich zur Süddeutschen um.

Diese Zeitung ist nach wie vor eine meiner favorisierten Informationsquellen und hat sich durch viele kostenträchtige Projekte des investigativen Journalismus (u.a. Panama-Papers) ausgezeichnet. Alleine die monatlichen 67,90 € auf den Kontoauszügen haben mich dazu gebracht, erst mal auf tägliche Papierausgaben von Zeitungen zu verzichten. Mal sehen, wie es sich anfühlt, die morgentlichen Informationen auf dem Tablett geliefert zu bekommen und wie sich dort Interessantes archivieren lässt.

Geld ist für viele Zeitungen inzwischen eine Existenzfrage  geworden. Die taz ist den Weg über die Genossenschaft gegangen und wird ihre gedruckte Ausgabe demnächst unter der Woche zugunsten der Online-Ausgabe aufgeben. Die DuMont-Gruppe denkt über den Verkauf des kompletten Zeitungsgeschäftes nach. Für die FAZ hingegen sieht die Finanzlage etwas besser aus, da sie auf eine Stiftung zurückgreifen kann.

Vielleicht brauchen wir aber auch ein ganz neues, übergreifendes Konzept, einen aufgebohrten „Rundfunkbeitrag“: Jede Bürgerin / jeder Bürger hat ein Budget, das sie / er in gewisser Stückelung auf Radiosender und Zeitungen verteilen kann. Denn ohne fundierte Informationen lässt sich in einer komplexen Welt kaum sinnvoll entscheiden. Nulltarif scheidet da aus – das muss uns etwas wert sein.

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