Das klerikale Missverständnis

Laut Kölner Stadtanzeiger vom 8.6.22 hat Kardinal Woelki in seiner Pfingstpredigt gefordert, die Kirche zu lieben („Der Kardinal rief dazu auf, die Kirche zu lieben ‚trotz aller menschlichen Schwächen, Fehler und Sünden, mit der wir …ihre Schönheit immer wieder beflecken.’“)

Diese eingeforderte Liebe ist weder biblisch begründbar, noch hat sich die Ekklesiologie* für solch’ eine A-Priori-Liebe der Kirche ausgesprochen. Kirche wird dort nur als Übergangsgröße eingestuft, die bis zur Vollendung des Reiches Gottes ihre Berechtigung hat.

Einmal mehr ist hier das Denken Herrn Woelkis dem Top-Down-Muster und einer bloß noch behaupteten Autorität, die eine bröckelnde Hierarchie schützen soll, verhaftet. Mit solchen Botschaften lässt sich mit Recht niemand mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

Eine biographische Reminiszenz dazu: Meine Mutter nötigte mich, abends meinem Vater einen Gute-Nacht-Kuss zu geben. Da war ich aber bereits elf oder sogar zwölf und die stachelige Wange des Vaters ist mir noch lebhaft in Erinnerung. In dieser Zeit war das zuvor gute Verhältnis zu meinem Vater schon ziemlich kaputt. Weder er noch ich mochten diese Geste. Liebe – weder den Eltern, noch der Kirche gegenüber – kann jemals verordnet werden.

Dass es auch Menschen im Erzbistum in Leitungsfunktion gibt, die aus den Erschütterungen von katholischer Kirche im Rheinland gelernt haben, hat mir ein Gottesdienst am 3.6.2022 mit Weihbischof Puff gezeigt. Er trat bei diesem besonderen Gottesdienst anlässlich der Verleihung der Missio-Urkunden sehr bescheiden auf und sprach von den vielen Fehlern, die die Amtskirche gemacht hat. Der Kölner Stadtanzeiger zitiert ihn zum Pfingstfest in dem gleichen Artikel so: „Die Kirche muss rauskommen aus dem Befehlen wollen und dafür anfangen, zuzuhören.“

*Ekkelesiologie ist die theologische Disziplin, die sich mit dem Selbstverständnis und der biblischen Begründung von Kirche beschäftigt.

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