§ 219a gestrichen – kein Grund zu jubeln

Es war gegen Ende meiner Schulzeit (Abitur 1974), dass im Bundestag heftig über das Für und Wider einer Fristenlösung beraten wurde. Ich konnte mich im Laufe der Jahre mit dieser “Lösung” mehr oder weniger abfinden, anfreunden wäre definitiv zuviel gesagt, da ich mir als Mann eine grundsätzlich eingeschränkte Sichtweise auf den Problemkomplex Eigenständigkeit vs. Lebensrecht, der nun mal Frauen zuerst betraf, zuschrieb.

Heute soll nun der §219a, der bislang Werbung für abtreibende Ärztinnen und Ärzte untersagte, gestrichen werden. Dass bisher jede und jeder, die oder der sich über Abtreibungsmöglichkeiten in ihrer oder seiner Region informieren wollte, vielfältige Angebote per einfachster google-Suche erhielt? – Nebbich. Eine Abtreibung ist aber deutlich etwas anderes als z.B. die Entfernung von Krampfadern oder eines Hallux Valgus. Das bisherige Werbeverbot war für mich Ausdruck eines gesellschaftlichen Konsenses: Hier die berechtigten Autonomieansprüche jeder Frau – dort der Eingriff in ein entstehendes Leben, das mit jeder Abtreibung beendet wurde. Vielleicht wird es ja eine etwas andere Frauenbewegung irgendwann berücksichtigen, dass immerhin die Hälfte aller Abtreibungen Mädchen, also zukünftige Frauen, betrifft. Das im Hinterkopf zu behalten, wäre doch ein Gewinn. Diesen Konsens aufzukündigen ist in jedem Fall mehr als bedauerlich.

Meine zweite Tochter, 1981 abgetrieben, wäre heute 41. Was für ein Verlust…

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