Defensivwaffen für die Ukraine – jetzt!

Wir schrieben die 80er Jahre: Ein großer Streit wurde in Deutschland um das Thema „Nachrüstung” ausgetragen. Auf sowjetischer Seite bedrohten SS-20-Raketen den Westen. Der Osten fühlte sich durch Pershing-Marschflugkörper geängstigt.

Ein Defensiv-Konzept, das die Frontstellung innerhalb der politischen Diskussion in West-Deutschland durchbrechen wollte, lautete “Kleine mobile Technikkomandos” (zumindest ist das der Name, den ich erinnere). Dieses Konzept sah vor, dass es angesichts mehrfacher garantierter wechselseitiger Vernichtungskapazität durch Atomwaffen auf etwas anderes ankäme, um eine verantwortbare Defensive bei einem Angriff leisten zu können. Ein besonderes Augenmerk kam in diesem Konzept panzerbrechenden Waffen zu, die dezentral gelagert werden sollten. Mit ihrer Hilfe sollte es bei einem auf Panzer setzenden Vormarsch eines Angreifers gelingen, viele von diesen auszuschalten. Damit würde der Preis für die dauerhafte Besetzung eines fremden Landes dermaßen in die Höhe getrieben, dass ein Ausgangspunkt für Verhandlungen oder – im besten Fall – Anlass für einen Rückzug des Angreifers gegeben wäre. Auch dieses Konzept war nicht genuin „friedlichˮ, kam aber ohne auf Jahrzehnte verseuchte Landstriche aus.

An dieses Konzept denke ich momentan, wenn ich mir den Aufmarsch um die Ukraine ansehe: 100.000 russische und weißrussische Truppen, die aus einem Manöver sofort auf Angriff umschalten können, ist nicht Nichts. Und die Bilder von einzelnen russischen Panzerverbänden, die angeblich zurückgezogen werden, verlangen große Vorsicht.

Erstaunlich – oder vielleicht doch nicht so erstaunlich – sind die Stellungnahmen der rot-grünen-gelben Bundesregierung: keine Einmischung, keine Defensivwaffen und eine Drohung von Kevin Kühnert am 6.2.22 in Richtung Putin in der ARD, die Herr Putin mit Sicherheit nicht mal wahrgenommen hat. Geschweige denn, dass es ihn die Nachtruhe gekostet hätte. Die Stellungnahme Kühnerts war bloße Bekundung von nicht mal gutem Willen.

Ukr. Verbände, den Angriff auf die Donbass-Region vorbeitend — Achtung: ironie_flag = 1

Ich bin auch jetzt nicht vom ehemaligen Zivildienstleistenden zum Heißsporn mutiert: Meine Konsequenz aus deutscher Angriffsgeschichte im 2. Weltkrieg fällt aber ein wenig anders aus als die von Baerbock, Scholz & Co. Gerade weil auch die Ukraine (2014), neben den baltischen Staaten (1940), Polen (1939), Ungarn (1956), CSSR (1968), Afghanistan (1979), Georgien (1993) und vielen anderen Staaten bereits Opfer sowjetischer oder russischer Aggression wurden, kann Deutschland sich nicht mit Verweis auf Shoah und WW2 in den Winkel der Besserwissenden und angeblich Bessermeinenden zurückziehen. Die Lieferung von panzerbrechenden Waffen wie auch von Stinger-Flugzeugraketen wäre ein deutliches Zeichen, eine bedrohte Nation nicht im Stich zu lassen. Und diese Maßnahmen wären deutlich unterhalb der Schwelle einer Aufnahme der Ukraine in die NATO.

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